#17: Vertrauen statt gatekeepen – Sabine Rollberg über Macht, Mut und gute Geschichten
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#17: Vertrauen statt gatekeepen – Sabine Rollberg über Macht, Mut und gute Geschichten

Sabine Rollberg erzählt von ihrem Weg vom WDR über Arte bis zur Professur und gibt Einblicke in ihre Intuition für starke Filmstoffe und die Realität hinter dem öffentlich-rechtlichen System. Ein Gespräch über Verantwortung, Widerstand und die Frage, wie man auch jenseits klassischer Karrierewege kreativ wirksam bleibt.

Ich war ein bisschen nervös, weil ich wusste nicht, wie dich ansprechen soll

mit Professor Doktor, sie und jetzt duzen wir uns. Das ist schön.

Du bist auch der erste Gast bei mir aus der Filmbranche im Podcast tatsächlich.

Also wir haben ja kreative Frauen, aber die Filmbranche ist bislang noch nicht

so stark vertreten gewesen.

Und in dieser Filmbranche hast du ja bis zu deinem Ruhestand und auch darüber

hinaus, würde ich sagen, einiges

bewegt und ich versuche mal einige der wichtigsten Stationen zu nennen.

Also du warst vier Jahrzehnte lang Redakteurin beim WDR,

und da hast du unter anderem auch den Weltspiegel und den AD-Brennpunkt verantwortet

und zahlreiche Dokumentarfilme betreut, später auch als Chefredakteurin bei

Arte, dem deutsch-französischen Sender in Straßburg gearbeitet,

und zehn Jahre lang an der Kunsthochschule für Medien in Köln gelehrt.

Aber damit nicht genug. Seit dem Ruhestand lehrst du auch an der Freiburger Universität.

Und was mir in deiner Biografie besonders aufgefallen ist, oder das ist natürlich

auch kein Geheimnis, sehr viele der Filme, die du betreut hast als Redakteurin

und mitgestaltet hast, haben hochkarätige Preise, wie zum Beispiel den Grimmelpreis

gewonnen oder waren unter anderem auch für den Oscar nominiert.

Und darüber sprechen wir noch genauer. Aber zuerst wollte ich dich fragen,

hast du mir einen Gegenstand mitgebracht?

Tennisbälle. Okay.

Jetzt willst du sicherlich wissen, warum Tennisbälle. Also das klingt ja Tennis,

klingt ja so ein bisschen elitär und der weiße Sport oder irgendwie sowas.

Ich habe in der Tat als Kind, so bis ich Freiburg nach dem Studium verlassen

habe, wirklich intensiv Tennis gespielt.

Und damals war Freiburg von der Uni noch viel politischer.

Und das war manchmal sehr schwierig. Ich habe meinen Tennisschläger immer versteckt,

weil ich in linken Gruppen war und ich habe hier sehr viele politische Arbeit

gemacht, natürlich am linken Spektrum und da war es völlig schwierig.

Also da wäre ich unten durch gewesen, ich hätte Tennis gespielt,

aber ich habe es seit meiner Kindheit gemacht, bin da irgendwie zufällig reingeschlittert.

Tennis ist übrigens billiger für junge Leute, als Mitglied zum Beispiel beim Sportclub zu sein.

Also für Fußball müssen die Eltern für ihre Jungs viel mehr zahlen,

als wenn sie ihre Kinder in den Tennisclub geben, nur mal nebenbei.

Also auf jeden Fall habe ich es einfach immer sehr gerne gemacht.

Meine Tante hat zwar immer gesagt, Tennis verdirbt den Charakter,

weil es ein Einzelsport ist. Du bist ja dagegen.

Aber ich bin immer so dagegen angegangen, dass es macht ja erst Spaß,

wenn man miteinander spielt.

Es kommt ja darauf an. Es ist ja auch ein sehr strategisches,

also man muss geometrische Kenntnisse haben, um zu wissen, wie decke ich ein Feld ab.

Und das ist ja eigentlich auch etwas, was einen später mal für Führungspositionen

vielleicht prädestiniert. Weiß ich nicht. Habe ich natürlich damals überhaupt nicht dran gedacht.

Ich habe dann leider, als ich Freiburg verließ und so in die Berufstätigkeit

ging, überhaupt kein Tennis mehr gespielt, weil in fremden Städten,

wo ich dann überall sein durfte, war es einfach viel, da war es wirklich zu teuer.

Da hätte man ja eine Mitgliedschaft in einem Club und so.

Das konnte ich mir nicht leisten. Außerdem zeitmäßig konnte ich mir das überhaupt nicht leisten.

Jetzt, in der Zeit habe ich auch Tennisbälle benutzt, weil ich natürlich durch

den Beruf oft so Verspannungen im Rücken hatte.

Und dann habe ich mich auf den Tennisball gelegt und diese Triggerpunkte,

irgendwie damit behandelt, Wunderwaffe, ging super. Also trotzdem blieb der Tennisball bei mir.

Und seitdem ich jetzt wieder hier in meinem Unruhestand in Freiburg bin,

war das ein ganz merkwürdiger Zufall, dass mein Uralt-Trainer.

Sich bei mir aus irgendeinem Grund, weil jemand verstarb, gemeldet hat, pipapo.

Und er mich gefragt hat, willst du eine Trainerstunde umsonst haben?

Und dann habe ich wieder Blut geleckt und jetzt bin ich mit großem Spaß dabei.

Und je älter man wird, ist ja diese Koordinierungsfähigkeit.

Obwohl ich einen Meniskuswurzleriss hatte und einen Arm gebrochen habe.

Ich bin immer wieder reingekommen und es macht mir viel Spaß.

Also deswegen, Tennisbälle begleiten mein Leben. Super.

Das war ganz unerwartet, also hätte ich jetzt nicht damit gerechnet oder darauf gewettet,

dass du mir Tennisbälle zeigst, aber es ist eigentlich eine schöne Metapher,

weil du ja auch in deinem Beruf immer so eine Art Sparingspartnerin warst für

die Menschen, mit denen du gearbeitet hast und ich finde die Arbeit hat auch

sehr viel mit dem Ball hin und her werfen zu tun. Es ist unglaublich viel.

Und man hat immer ganz viele verschiedene, also als Redakteurin hat man ja viele

verschiedene Projekte.

Ich kam mir oft vor, wie so im Zirkus jemand, der so diese Teller dreht.

Und man muss immer von einem Teller zum anderen rennen und sie am Laufen halten,

damit das irgendwie alles immer bewegt und alle Leute motivieren,

weiterzumachen, auch wenn Schwierigkeiten kommen. Schön.

Also darüber sprechen wir auch gleich noch. Ich möchte so ein bisschen an die

Anfänge zurückgehen zuerst.

Was ich interessant fand bei meiner Recherche oder Vorbereitung auf die Folge,

du stammst ja aus einer Künstlerfamilie, also Vater Schauspieler und die Mutter

war freie Tänzerin und als Kind hast du dann auch viel Theater gespielt,

wenn ich das richtig verstanden habe.

Und kam es dann in der Schulzeit zum Radio und auch zur Zeitung.

Und ich habe mich gefragt, ob bei dir auch mal so der Wunsch da war,

den Weg als freie Künstlerin einzuschlagen.

Also gerade als junge Frau, als du Theater gespielt hast, wie war da dein Verhältnis

zu diesen freien Berufen?

Du betonst jetzt frei, also meine Mutter war keine freie Tänzerin,

sondern die war immer angestellt.

Die war Solotänzerin am Theater an verschiedenen Bühnen, Dresden,

Leipzig und dann nach dem Krieg irgendwie, also nach dem Zweiten Weltkrieg eher,

in verschiedenen bundesdeutschen Städten und zum Schluss in Freiburg.

Und sie hat getanzt, bis sie 47 war.

Also das ist für eine Tänzerin schon ganz schön gut.

Und meine Eltern, also sagen wir mal, in der Küche meiner Eltern saßen immer viele,

Künstler, die dann unter dem Intendantenwechsel, also wenn die Leitung des Hauses

sich änderte, gelitten haben und bei uns in der Küche geheult haben,

weil sie dann wieder weiterziehen mussten.

Und das war oft für junge Familien etc.

Unglaublich schwierig. Und alle haben dann immer so auf mich geguckt und haben

gesagt, dass du nicht zum Theater gehst.

Na so, ja, das habe ich mir immer angehört. Ja.

Und ich habe vieles Künstlerische gemacht, auch während dem Studium.

Hier in Freiburg gibt es das Wallgraben, Wallgrabentheater, Studentenbühne etc.

Also ich habe schon da immer gemerkt, das macht mir wahnsinnig Spaß.

Ich habe dann aber trotzdem offenbar diesen Sicherheitsweg, also ich habe Staatsexamen

gemacht, bin aber dann nicht Lehrerin geworden, sondern habe mich irgendwie, ich habe nebenher

während meiner ganzen Studiums vor allen Dingen auch journalistisch angefangen zu arbeiten.

In der Schulzeit schon bei der Badischen Zeitung, dann hier beim SWR.

Ich war Sprecherin, also ich habe Hörspiele gemacht und ich habe sehr viele Sprecherrollen.

Ich bin auch eingeladen worden bei der Bavaria in München.

Da hatte ich so diese Bandbreite zwischen 6 und 25 Kinderrollen zu synchronisieren etc.

Also ich war sehr früh mit dem Mikrofon verbunden und habe mich dann irgendwie,

habe während des Studiums auch im WDR in Bonn, damals war noch Bonn,

die Bundesdorf, gearbeitet.

Das ist auch ein merkwürdiger Zufall, wie ich da gelandet bin.

Aber habe mich dann beim WDR beworben und bin da in das Volontariat gerutscht.

Und so ist dieses halt einfach so gegangen.

Also dass ich mit der freiberuflichen Tätigkeit.

Also wenn ich nicht fest in den WDR irgendwie gleich eine Stelle gekriegt hätte

und eine spannende Stelle, die mir gefallen hat, wäre ich vielleicht auch frei geworden.

Also, aber ich habe das natürlich bei meinen Eltern und deren Freunden gesehen,

wie hart das teilweise ist und in welchen, diese Abhängigkeit von Intendanten und Regisseuren.

Ob die eigene Nase denen gefällt oder so oder die meinen gerade eigentlich gebrauchen zu können.

Ich glaube, da war so eine innere Stimme in mir, die mich davon abgehalten hat.

Ja, das kann man nachvollziehen, weil das oft so eine Gegenbewegung ist.

Also wenn die Eltern künstlerisch sind, werden die Kinder oft was Gescheites.

Ich würde das eine nicht als weniger gescheit bezeichnen. Also ich habe da sehr

viel Respekt vor, weil man ja einfach, man kriegt ja nicht so gesagt, was man tun soll.

Man muss alles intrinsisch machen, also aus dem eigenen Antrieb heraus und dafür

habe ich sehr viel Respekt.

Sie haben ja dann Geschichte, Politik, Wissenschaften, also Entschuldigung, ich falle immer in Sie.

Du hast Geschichte, Politik, Wissenschaften und Germanistik studiert und auch promoviert.

Und ich würde sagen, mehr als dein halbes Leben im System der Öffentlich-Rechtlichen

gearbeitet und auch mitbekommen, wie die sich über die Jahre verändert haben.

Gab es vielleicht eine Überzeugung oder eine Vision, die dich so durch die ganze

Laufbahn getragen hat? Also in Klammern, wie hält man das so lange aus? Klammer zu.

Auch wenn es eben Entwicklungen gab, mit denen du nicht einverstanden hast.

Ich bin zu einem Zeitpunkt in den Sender, also in dem Fall den WDR,

den SWR, habe ich nur so aus der freien Ebene erlebt. Das kann ich nicht beurteilen.

Wobei das hier war noch Landesstudio Freiburg und es war Gerd Heidenreich und,

die Leiterin davor, habe ich jetzt vergessen.

Das waren tolle Leute, die einen sehr machen haben lassen. Also wir durften

zum Beispiel die Keimzelle für SWR 3 durften wir hier in Freiburg entwickeln

als 16-, 17-Jährige. Also ich meine großartig.

Ich bin aber auch in den WDR gekommen, als das noch ein völlig anderer Sender war.

Ich will jetzt hier nicht nostalgisch werden, aber da waren,

noch eine Generation, die eben auch aus freien Berufen in den Sender gekommen

war und Redakteure geworden war, die alle Fachleute waren.

Da waren die Experten für Jazz, für Architektur, für im künstlerischen Bereich,

für alle möglichen Bereiche.

Das waren kompetente Menschen.

Und heutzutage, also durch eine Veränderung, die unter dem Intendanten,

den ich eigentlich sehr schätze, Fritz Pleitgen.

Wurde eine Veränderung des Redakteursberufs gestaltet oder er wurde eingeschränkt,

dass das eher Universalisten sein müssen.

Also das heißt, dass die Leute heute Sport und morgen

irgendwie Außenpolitik machen sollen, dass sie nicht mehr diese Expertise haben,

dass sie eben heute im Landesstudio Düsseldorf eingesetzt werden können und

morgen irgendwie irgendwas anderes machen.

Das ist für eine Administration, weil sie die Leute wie kleine Springböcke überall

hinhüpfen lassen können, ist das sicherlich einfacher.

Aber es ist auch einfacher von der Hierarchie durchzugreifen,

weil da sitzen nicht Leute, die sagen, nee, nee, nee, wir haben hier die Fachkompetenz.

So läuft der Hase nicht. Wir wissen, wir haben aus bestimmten Gründen,

die unserer Kenntnis entspricht, haben wir einen Film so und so gemacht.

Heutzutage guckt sich ein Hierarch, der keine Ahnung hat, wie der Film entstanden,

wie er entwickelt worden ist, warum das und das so ist, warum der Anfang so

ist, warum die Musik gewählt worden ist, sagt, nee, nee, das ändern wir mal.

Und dann wird, ohne dass der Autor gefragt wird, wird in ein Kunstwerk eingegriffen

und es wird einfach formatiert.

Und das war damals alles undenkbar. Und es waren viele Freie auch da,

die großen Namen hatten. Ich sage nur mal Ralf Giordano, Edith Scholz und wie sie alle hießen.

Das war einfach, wie wenn man auch eine Abnahme machte. Also ich durfte damals

auch, war viel als Filmemacherin unterwegs, was man heute als Redakteur auch nicht mehr darf.

Also dann hat man zwar einen eigenen Redakteur aus dem Haus,

aber ich wurde ganz viel rausgeschickt und durfte ganz viele Reportagen machen.

Gerade zum Beispiel über die Schweiz, weil die Kölner alle dachten,

die Schweizer verstehen sie nicht.

Ich als Alemannin wurde dahin geschickt oder nach Frankreich,

weil im WDR keiner Französisch konnte.

Also oder wenige. Also auf jeden Fall hatte ich da immer so ein kleines süddeutschen

Bonus und wurde halt dahin geschickt, als Zürich gerade die Jugendrevolte, Zürich brennt,

durfte ich als Volontärin noch eine Reportage machen.

Pipapo, der Sender war anders. Man hat gesagt, mach mal.

Und es war eine Fehlerkultur auch möglich. Das heißt Trial and Error.

Also das heißt, man hat was ausprobiert.

Man hat jede Woche fast ein neues Programm entwickelt.

Heute ist alles schematisiert, formatisiert und wenn ein gutes Programm,

nein, wenn ein Programm erfolgreich ist, also von der Quote,

nicht von der Machart, dann sagt der Hierarch more of the same, macht es nochmal.

Also deswegen ist das Programm so langweilig, eintönig und wenig innovativ.

Und wenn die Sender nicht aufwachen, ich habe so das Gefühl.

Sie sind so bei Dornröschen, sie haben jetzt 100 Jahre geschlafen und vielleicht

kommt irgendwie, also die jetzige Jugend, da habe ich so ein bisschen Hoffnung, dass die wie...

Gerhard Schröder kann man gar nicht zitieren, aber trotzdem,

der soll ja auch mal im Kanzleramt irgendwie an den Zaun, da will ich rein,

also dass die jungen Leute diese Sender schon wieder ein bisschen verändern, so wie damals eben so,

eine innovative Bewegung war und das brauchen die Sender, weil es ist einfach,

alles festgezurrt und strukturiert und so haben wir es immer gemacht und so machen wir es weiter.

Ich glaube, du sprichst zu vielen aus der Seele, also sowohl die,

die die Programme schauen, als auch eben die, die selber Filme machen wollen.

Weil mein Eindruck ist, wenn ich zum Beispiel alte Hörfunk-Sendungen im Archiv,

als ich mal für ein Projekt recherchiert habe, diese Sendung angehört habe,

so vor 50 Jahren oder irgendwas, da war eine Substanz da, da war einfach ein Niveau da.

Die haben sich auch wirklich inhaltlich filetiert in diesen Talkshows,

aber auf einem sehr, sehr hohen inhaltlichen Niveau.

Und da war einfach so ein bisschen Raum zum Atmen da, das habe ich so wahrgenommen

und das hat mich auch inspiriert.

Und ich glaube wirklich Vertrauen, also geh mal los und mach mal,

war ein sehr, sehr wichtiger Aspekt, wie du es auch gesagt hast.

Und gleichzeitig habe ich manchmal das Gefühl oder habe mich gefragt,

ob das vielleicht so ist, dass eben so ungelebte Träume von Menschen,

die vielleicht jetzt in der Redaktion sitzen,

dann stärker gepusht werden und einfach so Präferenzen, also dass man,

du hast ja auch mal darüber geschrieben, dass eventuell so eine Art Neid existiert

von denen, die nicht selber filmen können, nicht selber ins Feld ziehen.

Und quasi denen gegenüber, die dann mit der Kamera diese Träume erleben.

Ob man dann vielleicht sogar versucht, ja, Firmen an sich oder Projekte an sich zu ziehen, die,

mehr mit einem selbst zu tun haben, als mit so einem Auftrag,

also im Sinne der öffentlich-rechtlichen oder im Bildungsauftrag oder universell,

was könnte interessant sein, was könnte relevant sein, also so.

Also ich meine, ein guter Redakteur ist nicht selbstreferenziell.

Der bildet nicht ab in seinem Programm, was ihn gerade persönlich interessiert,

sondern er hat einen Sensus dafür, was ist in der Gesellschaft gerade los.

Also der muss ja ein Seismograph sein für zukünftige Entwicklung.

Der muss riechen, was passiert, was passiert in verschiedenen Milieus.

Und der muss auch raus aus seinem Elfenbeinturm der Anstalt.

Und das ist alles, was ein bisschen zu wenig passiert. Das ist alles zu hermetisch.

Die Leute sind alle zu sehr unter sich, auch in ihrem eigenen Milieu,

also jetzt soziokulturellen Milieu verankert.

Das sind alles große Defizite.

Ich hoffe, Sie haben das erkannt. Sie rekrutieren ja inzwischen auch bei Ihren

Volontären irgendwie diverser etc.

Und achten darauf, dass da auch andere Bildungswege einen Zugang haben.

Also ich hoffe, weil ich kenne kein anderes Modell, nein, ich kenne kein besseres

Modell als das öffentlich-rechtliche bei allen Defiziten, die ich kenne,

aber die ich natürlich auch gespürt habe, aber es ist nach wie vor das beste Modell, was es gibt.

Es sind nur im Moment viele Menschen vor Ort, die vielleicht ein Sicherheitsdenken

haben oder sehr ökonomische Interessen haben, Programme quantitativ beurteilen

und nicht qualitativ, also nach der Einschaltquote.

Und ich meine, kein guter Arzt würde seinen Patienten immer Schokolade zu essen

geben, weil natürlich wollen alle Schokolade essen.

Dann hat er gesagt, nee, nee, mach mal bitte mediterrane Diät oder irgendwas,

weil er weiß und so muss ein Redakteur auch wissen.

Was richtig wichtig relevant für die Zukunft ist.

Und das war eine Weile mal, so

nach den 2000ern wurde da so negativ drüber geredet, Redakteursfernsehen.

Guckt euch doch mal den Spiegel an. Die machen auch keine Redakteure,

da ist alles irgendwie kollektiv.

Aber eine Verantwortung für etwas stärkt auch ein Profil.

Und wenn man profilierte Redakteure hat, dann gibt es auch ein profiliertes Programm.

Und das hat der Zuschauer, der ja Haushaltsgebühren zahlt, das Recht auch das

zu haben. Sonst kann er RTL gucken.

Ich habe hier so ein gutes passendes Zitat aus einem Beitrag für den Sammelband Medien Zukunft 2025.

Und zwar ein guter Redakteur soll die Leute nicht irgendwo abholen,

sondern sie hinbringen zu was. Das fand ich sehr treffend oder fast das alles.

Genau, das ist mir ganz wichtig.

Und die meisten Redakteure reden nur immer, wir müssen die Leute abholen.

Ja klar, hole ich sie auf der Couch, Potato Chips, also dann gucke ich immer

das und dann deswegen, also als würde wirklich die ganze Menschheit nur Krimis gucken wollen.

Also ich meine, das ist doch absurd. Also ich meine, das schürt auch eine gewisse

Angst vor, dass hinter jeder Ecke ein Verbrecher lauert.

Und Angst ist genau das, was rechte Politik fördert.

Also das sind alles Tendenzen, die man sich in ihrer Auswirkung,

glaube ich, nicht ganz richtig überlegt hat.

Und sie waren da ja wirklich sehr lange drin und ich habe mich gefragt,

gab es da irgendwelche einschneidenden Erlebnisse, die sie gerade als junge Frau geprägt haben.

Also man muss sich ja dann in so einem System auch wirklich verorten,

positionieren und sich fragen, bleibe ich da drin, gestalte ich das mit,

spiele ich nach den Regeln oder kann ich meine Macht irgendwie dazu nutzen,

das zu einem Besseren zu wenden.

Also gab es da, egal ob positive oder negative Erlebnisse, die da wirklich so

prägend waren, wie man den weiteren Weg, wie man die Weichen stellt?

Also da gab es natürlich ganz viele.

Jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht zu anekdotisch werde,

weil ich sage mal ein Beispiel. Wir haben.

Eine fünfstündige Sendung gemacht zum 1. Mai.

Und das war eine Revue, in der alles, was mir damals, also ich war die Redakteurin,

alles, was mir zum 1. Mai eingefallen ist.

Und ich habe mal hier in Freiburg auch vergleichende Kulturforschung,

was man damals noch Volksgründe nannte, studiert.

Und da habe ich viel Honig draus gesunken. Also da waren Mai-Bräuche drin.

Da waren, Hüsch hat irgendwie Sachen zum ersten Mal, Günther Wallraff hat aus

seinem Arbeitsleben erzählt, also aus dem Undercover-Arbeitsleben etc.

Also das Kölner Ballett, was sehr avantgardistisch war, hat um einen Maibaum getan. Pipapo.

Dann ergab es sich auch, dass es gab einmal einen amerikanischen Präsidenten,

der Reagan hieß, man mag sich erinnern, der flog zum Weltwirtschaftsgipfel nach Bonn.

Und der landete just zu dem Zeitpunkt während unserer Sendung und wir bekamen

den Auftrag, live zu diesem Ereignis zu schalten.

Heiliger Zorn, weil es unsere Sendung, die wirklich gebaut war,

es war eine Revue, natürlich völlig auseinander haute.

Und irgendwie haben wir dann böse gedacht. Ich habe ein bisschen recherchiert.

Ich hatte Freunde, die damals an der Deutschen Botschaft in Washington waren

und habe gesagt, was hat denn der Reagan so im Gepäck und so?

Und da sagen die, oh, da ist ein ganz schweres Ding drin.

Stell dir vor, der will nach Bitburg und dort SS-Gräber besuchen.

Wie bitte? Was? Ja, und dann war auch das Gerücht, dass er nach Spandau fahren

würde, wo damals noch Rudolf Hess, NS-Größe oder NS-Niederung, einsaß.

Und er wollte ein Plädoyer dafür abgeben, dass die Deutschen den endlich mal

freilassen, aus humanitären Gründen.

Und dann haben wir irgendwie überlegt und ich hatte damals einen Chef,

der wirklich ein großer Freigeist war.

Und das hat mir auch sehr den Rücken freigehalten. Wir haben Kabarettisten eingeladen,

die damals noch völlig unbekannt waren. Stefan Wald und Ron Williams.

Stefan Wald konnte sehr gut Kohl nachmachen und Ron Williams konnte Reagan nachmachen.

Und die beiden haben dann ein Gespräch, also der Moderator im Studio sagte, also wir hatten,

Reagan war gerade live angekommen, Fritz Pleitgen sagte, die Beziehungen zwischen

USA und Deutschland sind gerade auf einem,

niedrigen Punkt, weil Deutschland von, nein, die USA von deutschem Boden ein

Embargo gegenüber Nicaragua verkündet hat.

Das war damals Kontrazeiten und Pipapo.

Und es ist natürlich Deutschland wie eine Kolonie behandelt.

Das macht man nicht. Das ist diplomatisch No-Go, von einem anderen Land ein

solches außenpolitisches Dekret zu verkünden.

Also stand Fritz Pleitgen vor dunklen Wolken am Flughafen in Wahn und sagte,

die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika sind gerade miserabel.

Zurück im Studio, der Moderator sagte, aber nun, meine Damen und Herren, uns ist es gelungen,

Reagan und Kohl am Telefon zu haben. Hello Mr. Reagan, hello. Hallo Mr. Herr Kohl.

Und man sah nur Fotos von beiden und hörte die Stimmen. Und die Stimmen waren

wirklich hervorragend.

Und die haben dann dieses erzählt, dass I will fly to Bitburg and hover over

it and then to Spandau to free Rudolf Hess.

Und dann kam Kohl und er sagte gerade irgendwas, dass er mit dem japanischen

Ministerpräsidenten auf dem Rhein ist und pipa-pup.

Das ging so ungefähr drei Minuten. Aber das war so ein Zeitpunkt,

wo offenbar, bis wir hinterher gehört haben, den Leuten, also unser damaliger

Intendant Nowotny, dem gefrohr der Rasierschaum, der machte sich gerade für

die Wirtschaftsgipfelsendung fertig.

Der Rasierschaum im Gesicht gefrohr und auf jeden Fall...

Haben alle gedacht, das ist echt. Und dann sagte der Moderator,

Hans-Jürgen Grosenbauer, sagte, nun meine Damen und Herren, Nachrichtenagenturen,

hören Sie auf mitzuschreiben.

Dies war alles, und er hat, glaube ich, damals das Wort Fake schon benutzt.

Hier ist Ron Williams und Stefan Wald, die beiden Inventatoren,

die haben da noch ein bisschen weitergemacht.

Und wir saßen in diesem Studio und haben nicht mitgekriegt, dass die Welt,

also unsere armen Telefonmenschen, Die Telefonzentrale brach zusammen.

Die waren fertig mit den Nerven, weil Leute sich beschwert haben über diese Unverschämtheit.

Es war ein Riesenskandal. Ich bekam nachts Telefonanrufe, dass ich umgebracht werden sollte.

Wir haben Waschkörbe voller Protestbriefe gekriegt, weil die New York Times

hat auf ihrer Titelseite geschrieben German Humor Under Stress,

also deutscher Humor unter Stress.

Wir haben aber Solidaritätsadressen bekommen.

Heinrich Böll, Samit Rechsel, Kabarettist aus München von der Lach- und Schießgesellschaft.

Walter Jens, die alle sich dafür eingesetzt haben, das muss in Deutschland möglichst

sein, Freiheit der Satire.

Das war so, wo ich durch die Türen, also durch die Flure des Hauses ging.

Ich war vorher so eine junge, dynamische, nein, ich war damals schon zwei,

drei Jahre Redakteurin gewesen, aber ich war so relativ beliebt,

so frisch, nur fröhlich frei.

Die Türen gingen alle zu, alle Berührungsängste. Keiner wollte mehr mit mir reden.

Da habe ich so gemerkt, wenn man in Schwierigkeiten ist, wird es sehr eng, wird es sehr einsam.

Alle dachten, ich würde entlassen. Die CDU hat meine Entlassung gefördert.

Wir haben aber witzigerweise, das war der erste Grimme-Preis,

den Grimme-Preis für die Konzeption der Sendung gekriegt, aber nicht für die Satire.

Also das war damals, das war, und wir waren im Studio, das war gerade in Tschernobyl.

Deswegen waren wir sicher, weil wir waren im Studio und haben geprobt und der

Regen von Tschernobyl ging über uns hinweg und haben das eigentlich gar nicht

so richtig mitgekriegt, dass da draußen, also dass da das alles passierte.

Also das war das eine Positive, aber das andere war, dass man wirklich unter Druck...

Und solche Drucksituationen habe ich noch einige erlebt, weil ich war niemand.

Ich war dann auch im Redakteursausschuss und man lernt, die Klappe aufzumachen

und dafür hinzustehen, auch für andere, die in Schwierigkeiten sind,

einzustehen. Es gab vieles, es gab MeToo, es gab vieles, was im WDR nicht richtig lief.

Also solche Situationen habe ich viel erlebt und mein Abgang,

das war ein Riesenskandal über einen Dokumentarfilm, da ging es um Antisemitismus.

Das ist ja heute noch ein großes Reizthema.

Also das war auch nicht schön. Also ich habe diesen Sender geliebt und habe

viel diesem Sender zu verdanken.

Viele Freiheiten. Ich durfte durch die Welt reisen und ich wurde für meine Neugierde bezahlt.

Also ich war eine Weile, zwei Jahre mal Sonderkorrespondentin.

Da flog ich nur durch die Welt, Jemen, Lateinamerika und habe Sonderberichterstattung machen dürfen.

Also Auslandskorrespondentin. Also ich habe viele Privilegien gehabt,

aber ich habe auch viele Engstirnigkeit, vieles.

Kleingläubige, vieles Unsouveräne und fast Bösartige erlebt und Nicht-Kommunikation.

Dass man dann auch mit anderen übereingeredet hat, aber nicht mit einem selbst.

Und man sich überhaupt nicht selbst erklären konnte, warum man etwas machte.

Das hat mich nicht verbittert. Ich kämpfe heute für den Öffentlich-Rechtlichen,

aber ich sage, er muss reformiert werden. Und die Reformen beziehen sich nicht

nur darauf, weniger Tatorte etc., es müssen auch die internen Strukturen.

Jetzt habe ich lang geredet. Ne, das ist ja also super interessant.

Ich weiß gar nicht, wo ich da als erstes reingehen kann, weil das ist wirklich

auf so vielen Ebenen spannend.

Aber was mir auf jeden Fall auch bei der Erzählung so im Kopf hing,

also heutzutage wäre man doch sofort gecancelt bei so einer Aktion,

habe ich mich dann gefragt.

Das ist irgendwie total schön, dass es so eine Kultur gab, wo sowas Raum hatte,

das trotzdem auszuhalten und dass sie geblieben sind, aber auch nicht gefeuert wurden.

Ja, ich habe das Glück gehabt, drei Menschen, also einen unmittelbaren Vorgesetzten,

der mit mir im Boot war, der Vorgesetzte war der Moderator der Sendung.

Also das heißt, er identifizierte sich natürlich und hat natürlich auch vieles

getragen und abgenommen. Also ich war zwar die Redakteurin, aber man fragt ja

immer einen Chef, können wir das machen?

Man verschafft sich bei so wagemutigen Sachen, verschafft sich Rückendeckung. Punkt eins.

Punkt zwei war ein Intendant im Amt und ein Programmdirektor,

die alle nur noch einen Monat im Amt waren.

Gerd Ruge, auch ein ganz berühmter Kollege, den ich sehr schätze, hat,

seine Frau war mal persönliche von Bush, also dem damaligen Vizepräsidenten

der USA, also späteren Präsidenten und, nein von Schulz war sie, aber ist ja egal.

Auf jeden Fall hatte er einen starken Draht und wurde von, ich weiß nicht mehr,

von George Schulz oder von Bush angerufen und hat gesagt, how come that my president

is on German television and I don't know.

Und Ruge hat natürlich unsere Sendung nicht gesehen. Der war Chefredakteur Politik.

Wir waren in der Kultur. Das sind zwei parallele Programmbereiche.

Und hat dann den Fehler gemacht, sag ich jetzt heute, die Bild-Zeitung anzurufen

und zu sagen, unter meiner, wenn das in meinem Programmbereich gelaufen wäre,

wäre das nicht passiert.

Das Witzige ist, Ruge hat die Abmahnung gekriegt und nicht ich.

Also eine Abmahnung ist immer der erste Schritt zur Kündigung.

Man darf keine zweite bekommen, dann wird man gekündigt.

Aber das war der berühmte Gerd Ruge dafür, dass er den.

Vertrauensbruch, der hatte ohne sich mit irgendjemand die Bild-Zeitung informiert.

Und das war einfach nicht korrekt.

Und er ist bestraft worden und nicht ich. Aber das war wirklich das Glück,

dass der Intendant Friedrich Wilhelm von Sell und der Hübner,

Die waren beide nur noch einen Monat im Amt und waren sehr mutig,

und sind diesem ganzen Ansturm, der wirklich massiv kam,

einfach sehr standgehalten und gesagt, das muss möglich sein. Wow. Das war Glück.

Also ich habe im Vorfeld für die Vorbereitung der Sendung auch mit einem Freund

gesprochen, der auch im Sender arbeitet, der auch sehr unzufrieden mit den Strukturen dort ist und er hat,

gebeten, dass ich die Frage ausrichte, wie kann man dieses System noch retten,

weil er ist auch sehr eigentlich daran interessiert, es öffentlich-rechtlich

zu erhalten, sieht aber aktuell wirklich keinerlei Hoffnung.

Fast als würde das alles zugrunde gehen müssen, um wieder neu aufzustehen,

weil einfach diese Strukturen so verkrustet sind, dass es sehr schwer ist,

an einzelnen Stellschrauben zu reflektieren.

Was würden Sie antworten? Also ich finde es einfach wahnsinnig gefährlich,

ein System, was uns mal von den Alliierten, also von den Briten geschenkt worden

ist nach dem Zweiten Weltkrieg und was ich in seiner Struktur für schon gut finde.

Natürlich gibt es im Moment die digitalen Herausforderungen.

Das heißt, es ist eine ganz andere Medienlandschaft.

Nichtsdestotrotz finde ich dieses, dass wir sagen, unsere Medien.

Es ist ja nicht, dass ein Privatmädchen dass ein Theater-CEO,

irgendwie ein Herr Weinstein oder wer auch immer dieses Unternehmen gehört.

Man sieht ja in den USA, was das bedeutet, wenn CBS irgendwie schnell mal einen

Talkshow-Host einfach entlassen kann.

Das ist eine gemeinschaftliche Organisation, die...

Und sie gehören uns, die wir die Gebühren zahlen.

Also würde ich sagen, ein Reformprozess müsste in Gang gesetzt werden,

so als ein deliberativer Prozess, wie zum Beispiel, da gibt es ja.

Unter Beteiligung, also unter einer Beteiligung von demokratischen Elementen,

dass bestimmte Leute, die zufällig ausgewählt werden.

Darüber befinden und ein Jahr zusammensetzen.

So wie in Irland zum Beispiel, das Gesetz zur Homosexualität.

Also in so einem oberkatholischen Land hätte man nie gedacht,

dass man ein Gesetz hinkriegt, was von der Gesellschaft dann angenommen wird.

Und wenn wir uns mehr sagen, es sind unsere Medien und wir müssen daran teilhaben,

wie die Reform aussieht.

Man muss die Rundfunkräte verändern, die müssen kompetenter sein.

Das dürfen nicht nur Abnicker und irgendwelche Leute sein, die fröhlich sind,

wenn sie mit dem Intendanten Brötchen essen dürfen umsonst und so weiter und

so fort. Also da muss mehr Kompetenz rein.

Die Redakteursstruktur muss

umgewandelt werden und verändert werden und kompetenter wieder werden.

Also es gibt ganz vieles interne, strukturelle und natürlich muss man der digitalen

Herausforderung anders begegnen.

Ich weiß auch nicht, wie man das regelt, zum Beispiel Arte mit seiner wunderbaren

Mediathek, wenn das alles vermischt wird.

Wo bleibt dann der Stellenwert von Arte?

Also da habe ich jetzt auch keine Patentlösung, aber dass man ein europäisches

Qualitätsfernsehen entwickelt, wo eben herausragende fiktionale und dokumentarische

Projekte ihren Platz haben.

Also gibt es ja viele Wege, aber dass der qualitative Inhalt noch weiter gefördert

und produziert wird, sonst verdummen und verdorfen wir als Gesellschaft.

Also ich habe die Hoffnung, dass es geht, also sonst würde ich nicht dafür kämpfen.

Sie kämpfen ja auch zum Beispiel in der AG DOC oder bei dem Uni-Beirat.

Also Sie sind ja an verschiedenen Stellen. Uni-Beirat bin ich jetzt nicht mehr. Nicht mehr? Okay.

Auf LinkedIn steht es noch drin. Aber ich unterrichte.

Das heißt bis, ich war bis. Ah, okay. Ist egal.

Aber ich bin im Beirat des University College. Also das ist das Liberal Arts

and Science Studium in Freiburg. Da bin ich noch. Okay. Und da unterrichte ich auch.

Also es zeigt auf jeden Fall, dass an sehr vielen Stellen, dass sie da engagiert

sind oder du, dass du da engagiert bist und aktiv und ich finde,

das ist so vielleicht so die Botschaft ans Publikum oder an uns alle.

Es gibt immer irgendwo, wo man reingrätschen kann. Genau, es sind unsere Medien.

Es ist unser Radio und unser Fernsehen.

Mit der Gebühr sind wir Anteilseigner.

Ich glaube, dass du es vielen gar nicht so bewusst oder dieses Verständnis ist.

Nein, das gehört nicht den Intendanten. Nein.

Gut, also vielleicht lassen wir mal diesen Blog beiseite und gehen weiter.

Die haben dann ja auch, ich perle immer ein Zieh, nochmal.

Du hast ja sehr viele Filme betreut, die dann sehr erfolgreich geworden sind.

Was mich da wirklich interessiert hat, also Dokumentarfilme,

die Preise gewonnen haben.

Hast du so ein Gespür für das gewisse Extra? Also wenn jemand zu dir gekommen ist, was gepitcht hat,

woran hast du erkannt, dieser Stoff hat wirklich Potenzial? Also wann war dieser

Moment, dass du gespürt hast, da möchte ich jetzt mitmachen,

da möchte ich tiefer reingehen. Das wird was.

Manche Leute haben mich Trüffelschwein genannt. Ich würde sagen,

das ist überhaupt keine besondere Begabung oder sowas.

Ich bin immer davon ausgegangen, wenn mir jemand was erzählt hat,

und ich wie einfach, wenn ich eine Geschichte höre und sage,

wow, das habe ich noch nicht gehört oder noch nicht auf diese Weise gehört. Das interessiert mich.

Und das hat eine Relevanz. Also das kann nicht sein, ich bin ja nicht so einzigartig

oder ich bin ja nicht so strange, dass nur mich das interessiert,

sondern das hat einen Neuigkeitswert.

Das wird auf eine andere Art und Weise erzählt.

Das ist auch jemand, der die Kompetenz hat, das zu erzählen.

Also wenn die drei Punkte zusammengekommen sind, habe ich mich meistens für

einen Stoff ins Zeug gelegt und versucht, den wirklich.

Wie eine Hebamme ins Leben zu bringen. Das ist natürlich oft so,

dass man nicht ganz alleine entscheiden kann.

Man muss erstmal, ich brauche eine Zustimmung im WDR, dass ich es zu Arte vorschlagen durfte.

Und dann muss man bei Arte die Programmkonferenz überzeugen.

Also das ist eine permanente Überzeugungsarbeit.

Aber sehr oft ist sie mir gelungen. Also es gibt ein paar Projekte,

also zum Beispiel gerade...

Ja, ich war gerade in Hamburg in der Maria Lassnick Ausstellung.

Maria Lassnick ist eine wunderbare Wiener Malerin.

Sie ist auch vor zwei Jahren auf der Berlinale ein toller Spielfilm mit der

Birgit Münchmeier gewesen, mit dem Tiger tanzen oder sowas.

Oder so ähnlich ist es ein Bild von Maria Lasnik und ich erinnere mich noch

2002 kam ein wunderbarer Autor, der Sohn von Willy Brandt, Lars Brandt ganz

wunderbarer, sensibler Filmemacher.

Der hatte den Kontakt zu ihr und so, wir sind gescheitert, weil keiner Maria Lasnik kannte.

Und da sage ich immer, ihr wollt doch Leute entdecken und sie ist großartig,

guckt euch doch mal die Bilder an.

Das ist unwahrscheinlich, was sie für eine Farbkraft, was sie für eine Gestaltungskraft

hat, mit welchen Themen sie sich auseinandersetzt, Frauenthemen.

Und ja, das ist nicht gescheitert. So bin ich hin und wieder immer mal gescheitert.

Aber die Projekte sind deutlich weniger als die, die ich dann doch letztendlich

durchgekriegt habe. Ich habe die Leute dann genervt mit Themen.

Wow, also das finde ich schon beeindruckend. Und also gab es da vielleicht auch

irgendwas, was sich jetzt ganz anders herausgestellt hat?

Oder was so, also Sie müssen jetzt keine Namen nennen oder so,

aber mich würde interessieren, ob Sie auch mal falsch lagen mit Ihrer Intuition.

Ja, es gab natürlich manchmal Filme, nein, nicht manchmal, ein-, zweimal,

wo sich dann Filmemacher und Produzente total verkracht haben und wir nur mit

Juristen da hockten, um deren furchtbaren Rosenkrieg wieder auseinander zu kriegen.

Also das sind schreckliche Stunden. Sowas gibt es auch, aber sowas gibt es immer.

Aber es gibt ganz wenige Projekte.

Selbst dieser Film läuft immer noch im Kino. Heute.

Gerade witzigerweise kam er vor ein paar Wochen hier in Freiburg im Kommunalen

Kino, wo ich sagte, das kann ja nicht wahr sein, das ist ja großartig.

Aber das war schrecklich. Das war einfach schrecklich.

Weil es war, da wusste man nicht, wer hat jetzt recht und da soll man jetzt

sich da so, die waren einfach völlig verstrickt.

Und manchmal ist ein Film, also gab es auch einen Film, da hat ein Filmemacher, Ali Samadi,

ist nach in den Iran, er ist gebürtiger Iraner, in den Iran gereist,

um über das dortige Methadon-Programm einen Film zu machen.

Aber dann passierte die Green Revolution, also 2008.

Eine große, schon mal positive, revolutionäre Bewegung, die dann auch brutals

niedergeschlagen worden ist.

Da haben wir gesagt, jetzt können wir nicht was über Methadon und deren Drogenpolitik machen.

Und dann haben wir, was man eigentlich gar nicht darf, das Thema geändert,

hatten die Zustimmung von Straßburg und es ist ein wunderbarer Film,

Green Wave rausgekommen, der bei der Idfa lief, Preise gewonnen hat, der wirklich,

dieses Feuer, was im Iran ist, wunderbar eingefangen hat.

Und es war eine der ersten Dokumentarfilme mit Animation.

Weil wir konnten ja nicht drehen, sondern haben dann mit so einer ganz schnellen,

weil wir mussten den Film relativ schnell machen, weil wir wollten ja nicht

zwei Jahre irgendwie in der Postproduktion sitzen.

Und haben da mit einem ganz tollen Verfahren, was ein anderer Iraner entwickelt

hat, mit realen Figuren abgezeichnet von den Fotos und es dann animiert.

Ich habe vergessen, wie das heißt, aber das ging relativ schnell.

Rottoskopie? Ja, ja, genau. Genau.

Also das ist super geworden. Schön. Und dann sind daraus entstanden weitere

Filme über Nordkorea, die dann mit Animation arbeiteten.

Also das war dann so ein ganz neuer Weg, wie man eben auch Dinge,

man muss die, also das war ja dieses Re-Enactment-Zeit, was ich nicht so mag,

weil es immer irgendwie, finde ich,

schlechte Schauspieler, billige Schauspieler.

Aber mit der Animation war das

ein toller Weg, wenn man transparent macht welche Mittel benutzt man. Ja,

Mhm, verstehe. Okay, das hat mich interessiert, weil man hört natürlich immer

mehr so von den Erfolgen als von den Misserfolgen und einfach dieses Gespür,

das kann man vielleicht auch, also nicht trainieren, aber,

ich glaube, das ist vielleicht so eine Mischung aus auf sein Bauchgefühl hören

und vertrauen, Expertise und natürlich auch so ein richtiges Einschätzen der

Menschen, mit denen man es zu tun hat, weil eine Idee kann natürlich groß und

toll sein, aber ob die Person es dann umsetzen kann, ist wieder eine andere Frage.

Ja, aber man will natürlich auch jedem, der eine tolle Idee hat, das ermöglichen.

Auch wenn man manchmal den Instinkt hat, das geht schief, weil der Typ oder

die Typin hat irgendwie das nicht und jenes nicht. Aber man versucht manchmal was.

Also aber es ist selten gewesen.

Und jetzt gehe ich mal auf noch ein ganz anderes Thema ein, was mich interessiert

hat, war, was ich gelesen habe, sie waren dann zwei Jahre auch in Mütterschutz und,

dann sind sie zurückgekommen und ja, ich habe mich halt gefragt,

weil ich ja auch eine kleine Tochter habe, wie hat diese Zeit.

Den Blick auf dieses ganze System oder auf die Arbeitswelt oder auf alles,

gab es da irgendwas, was ihren Blick in irgendeiner Art verändert hat?

Also ich habe entschieden, na gut,

ich war dem Vater meiner Tochter nach Moskau gefolgt, weil er dort an der Botschaft

war und dann habe ich nach, also ich habe vier Wochen nach der Geburt gleich wieder gearbeitet.

Damals war ich Chefredakteurin bei Arte und ich wusste, ich kann nicht länger

wegbleiben, das geht gar nicht, weil das wird als, ich war die erste weibliche,

also die erste Chefredakteurin und die Männer wetzen die Messer.

Die haben natürlich gedacht, oh, wenn die jetzt weg ist mit Kind und so,

dann übernehmen wir hier das Geschäft und deswegen bin ich sehr schnell wiedergekommen.

Das war auch alles ehrlich gesagt überhaupt kein Problem, weil ich fand es so.

Das kann man, will ich überhaupt nicht verallgemeinern, aber ich fand so das

erste Jahr, das Kind, ich konnte das ja auch selber bestimmen,

ich habe das Kind mit ins Büro genommen, die lag auf meinem Schoß.

Wenn sie Hunger hatte, bekam sie irgendwie die Brust und dann war sie wieder

still. Und wenn sie mal irgendwie aus irgendeinem Grund gequägt hat,

hat irgendeiner in meinem Umfeld sie auf die Schulter genommen und durch die Flure getragen.

Also immerhin, ich habe vielen Frauen Mut gemacht. Bei Arte brach eine Geburtswelle aus.

Es gab seitdem dann auch einen Kindergarten bei Arte, weil plötzlich vorher hatte keiner Kinder.

Danach hatten ganz viele, war es sehr angesagt, Kinder zu haben und man kann es vereinbaren.

Im ersten Jahr, muss ich sagen, war das auch wirklich leicht,

weil, ne, wenn die dann anfangen zu krabbeln, da hab ich, ich hab meinen Mutterschutz

erst genommen, als meine Tochter, ähm.

Und anderthalb war, glaube ich, oder so ein bisschen, ein Viertel war.

Und dann sind wir eben nach Moskau gegangen, weil der Vater versetzt wurde.

Und mein Mutterschutz war eigentlich noch nicht ganz beendet.

Da hat der WDR mich angerufen und hat gesagt, wir wissen, du bist eigentlich

noch im Erziehungsurlaub.

Du wirst sicherlich nicht ja sagen, aber bei uns wird gerade eine Stelle frei,

die ist hier eigentlich ein bisschen auf den Leib geschneit und das ist die

sogenannte Artebeauftragte.

Also das heißt, man ist zuständig für das Programm, was der WDR für Arte liefert,

und da bin ich vom Journalismus ein bisschen in den Dokumentarfilmen,

weil man die Dokumentarfilme dann redaktionell betreut und manche Spielfilme.

Also eigentlich ein ganz anderes Arbeitsgebiet.

Und das habe ich aber gedacht, passt für mich, weil man sein Leben besser organisieren kann. Wenn man.

Im Journalismus tätig ist, kommt alles immer überraschend. Kriege und sowas

wird alles nicht geplant.

Misstrauensvoten werden nicht geplant. Also das heißt, man muss von heute auf

morgen zwölf Stunden arbeiten, weiß das aber nicht.

Mit einem Kind ist das ein bisschen schwerer. Aber diese Arbeit war planbarer,

und auch mehr büroorientierter.

Ich musste zwar auch viel in Schneideräume reisen, das durfte man damals noch,

heute geht ja alles per Zoom und so, aber damals musste man das sogar und ich

bin sehr dankbar, weil man auch immer mit der Montage spricht,

und einfach sagt, guck mal, habt ihr da nicht noch Material irgendwo liegen,

das passt nicht und könnt ihr nicht das machen.

Und mit dem Cutter oder Cutterin eben sagen, können wir das nicht dramaturgisch ändern, bi-ba-bo.

Und habe meine Tochter am Anfang bei allen Reisen immer mitgenommen.

Also die war immer dabei, kostete ja damals auch noch nichts.

Also damals durfte man das noch umsonst mitnehmen im Zug und im Flieger.

Und von irgendeiner Assistentin wurde sie dann in der Zeit immer betreut,

wenn wir intensiv reden mussten und sonst lag sie auch manchmal,

also als sie dann anfing, dann malte sie halt da im Schneideraum irgendwas oder

ging mit irgendeiner Katha-Assistentin spazieren.

Das ging unheimlich gut. Als sie dann in den Kindergarten kam,

bin ich dann deutlich weniger gereist.

Also habe ich versucht, das irgendwie oder nur Tagestrips zu machen.

Also morgens hin, abends zurück.

Das war manchmal schon sehr anstrengend. Ich hatte auch ein Au-pair aus Russland,

damit mein Kind weiter die Sprache lernt und spricht.

Aber ich habe mein Leben halt ein bisschen so organisiert, dass das eben mehr ein Bürojob wurde.

Aber das ist auch inspirierend, also ich denke mal für viele junge Frauen,

die jetzt vielleicht zuhören, weil es einfach, ich glaube man braucht solche

Vorbilder, weil man sich oft nicht vorstellen kann, wie es sonst möglich ist.

Und das geht natürlich nicht in jedem Beruf oder nicht mit jedem Kind und nicht

mit jeder Persönlichkeit, aber schön ist es, wenn einfach das Dorf drumherum

sozusagen, man braucht ja immer ein Dorf, ob es jetzt die Familie ist oder eben,

die Kollegen und Kolleginnen.

Also das ist einfach schön, wenn da so eine gewisse Solidarität oder so ein

Verständnis da ist und man einander unterstützt und dann vielleicht auch das

eben auf die Art normalisiert ist, dass die Kinder einfach so sozusagen.

Ja nicht entweder oder, sondern dazu hören. dazu.

Und also gut, ich war natürlich immer in der privilegierten Situation, Chefin zu sein.

Und dann kann man bestimmen, wie ein Klima ist, dass es normal ist,

dass Kinder mitbringen. Meine Mitarbeiterinnen haben ihre Kinder auch ins Büro gebracht.

Und irgendeiner hatte immer eine Idee, was man mit dem Kind jetzt gerade macht,

wenn es anfängt, sich zu mopsen.

Und irgendwie keine Lust mehr hat, zu zeichnen oder irgendwie mit Bausteinen bei uns auf dem Boden.

Das war halt so. Also in dieser kleinen Arteredaktion im WDR,

Da krabbelten oft irgendwelche Kinder rum und ganz viele meiner Kolleginnen

haben in der Zeit Kinder gekriegt und das war sehr selbstverständlich.

Also das gehört einfach dazu.

Und das ist natürlich leichter, wenn man das Klima und die Atmosphäre bestimmen kann.

Ein Mitarbeiter kann dafür nicht sagen, jetzt machen wir das so und es kommt

natürlich darauf an, welches Bewusstsein haben Frauen in Führungspositionen,

wie familienfreundlich sind sie selber,

aber ich kann mir wenige vorstellen, also es gibt natürlich Frauen,

die sagen, ich habe mir das auch versagt,

und dann so einen Triggerpunkt bei sich haben,

und da so unbewusst feindselig darauf reagieren, Aber ich meine,

dafür sind Supervising da, dass man sich dessen bewusst wird.

Was macht man da eigentlich?

Und...

Also ich hoffe, dass das verschwindet.

Das stimmt, das habe ich auch schon beobachtet, aber ich glaube,

ja, ich hoffe, dass das jetzt diese Folge zum Beispiel dazu beiträgt,

eben so eine positive Botschaft in die Welt zu senden, wie du es gemacht hast.

Und was ich mir noch aufgeschrieben habe als Frage, gab es Träume,

die vielleicht auf der Strecke geblieben sind bei dir?

Ehrlich gesagt nicht. Also das klingt jetzt blöd, als hätte ich keine Träume

oder als hätte ich mir keine Träume erlaubt.

Ich hätte vielleicht geträumt irgendwie...

Ein großer Tennisstar zu werden. Aber das ist ja Quatsch, völliger Quatsch.

Ich hätte gar keine Lust, zwölf Stunden am Tag auf dem Tennisplatz zu sitzen.

Wird man Hitzschlag kriegen und ich hätte auch nicht dieses physische Durchhaltevermögen.

Vielleicht habe ich mal geträumt, besser zu singen.

Ich habe immer mal geträumt davon, Klavier zu spielen. Ich mache das jetzt.

Ich habe jetzt angefangen, so im hohen Alter und mache es mit großem Spaß.

Träumen. Also ich habe das Glück, dass ich eine Tochter habe, die.

Wo ich keine Sekunde in meinem Leben bereut habe, also ich habe auf nichts verzichtet.

Ich habe die Gnade der späten Geburt. Also ich bin 43, bin ich Mutter geworden.

Und dann ist man natürlich auch nicht so, dass man denkt, man verpasst irgendwas,

wenn man mal bei einem Kind sitzen muss, bis es eingeschlafen ist.

Wenn man dann auch immer den Gedanken hat, mein Gott, so what,

was verpasse ich denn jetzt eigentlich? Ich bin durch die Welt gereist.

Ich habe so und so viele Theater und Konzerte und alles erlebt.

Jetzt sitze ich halt mal an dem Bett und warte. bis sie eingeschlafen ist.

Sie ist Gott sei Dank nicht krank. Wie schlimm wäre es, wenn ich einem kranken Kind...

Und da war ich immer so dankbar, dass das so gut gelaufen ist.

Und ich bin heute noch wahnsinnig dankbar, dass ich dieses Geschöpf beim Erwachsenwerden begleiten durfte.

Und sie hat übermorgen ihren 30. Geburtstag. Und ich finde das ein unglaubliches Geschenk.

Und bin da... Also das ist meine beste Sendung.

Oder mein bester Film gewissermaßen, dass ich das auch auf die späten Tage,

dass mir das gelungen ist.

Ich glaube nicht, ich würde mein Leben als unvollkommen empfinden,

hätte ich jetzt kein Kind gekriegt.

Es war toll, dass das noch geklappt hat, dass ich da keine Fehlgeburt hatte

und wir wissen alle, auf jede Geburt kommen so und so viele Fehlgeburten und all das.

Das gehört alles zum Leben, habe ich auch alles erlebt.

Aber dass das geklappt hat und dass das so ein wunderbarer, sozialer,

empathischer Mensch geworden ist.

Ich glaube, ich habe da gar nichts dazu beigetragen. Ich habe mir das immer

so angeguckt und habe immer gedacht, boah, toll, wie die das so macht.

Und bin da einfach, das ist ein Glück und da bin ich sehr selber glücklich.

Wunderschön, das berührt mich auch.

Letzte Frage, was würden Sie Ihrem jüngeren Ich heute raten,

also wenn du nochmal zurückgehst an vielleicht dich mit 14 oder im Teenageralter oder,

in so einer Zeit, wo man vielleicht die Weichen stellt für seine Zukunft,

gibt es da irgendeinen Ratschlag?

Den du mitgeben würdest an diese jüngere Sabine?

Also ich glaube, die Weltlage ist heute deutlich schwieriger als in meiner.

Wir hatten auch, wir hatten den Kalten Krieg, wir hatten Kuba-Krise,

wir hatten Sechs-Tage-Krieg in Israel, wo man auch angefangen hat,

Reis zu horten und Kriegsangst hatte.

Also ich kenne dieses Gefühl von Kriegsangst.

Ich kenne nicht das Gefühl der Angst um unsere Erde, die Klimakatastrophe.

Club of Rome war alles bekannt, aber ich habe hier in Freiburg oder in Wiel

gegen den Bau des Atomkraftwerks gekämpft.

Also wir haben schon Umweltkämpfe auch gemacht, aber es hatte der CO2-Anstieg,

hatte nicht diese Brisanz und Rasanz, die heute einfach zu verzeichnen ist.

Also ich verstehe, ich mache viel Sprechstunde mit Studierenden und ich sehe,

also die sich Fridays for Future in Irland oder in Freiburg gegründet haben,

also die sich toll engagiert haben und wie frustriert die sind.

Ich hatte keinen Anlass für diese Frustration. Ich hatte immer das Gefühl,

es geht irgendwie positiv weiter.

Deswegen ist es total vermessen, der jetzigen Generation aus meiner Warte,

die wir so ein unglaubliches Glück hatten, eine in unseren Breitengraden relativ friedliche,

eine verschonte Zeit erlebt zu haben.

Also, dass ich da jetzt sagen würde, mach das so und so, finde ich unangebracht.

Ich kann nur ermuntern, die Menschheit ist schon ganz schön erfinderisch.

Die Hoffnung nicht zu verlieren. Ich bin jetzt kein Technokrat,

dass ich denke, irgendwo gibt es immer eine Lösung.

Aber wenn wir die Hoffnung verlieren, Ja, Prinzip Hoffnung, dann geben wir uns selber auf.

Also ich verstehe junge Frauen, die sagen, in diese Welt kann man keine Kinder mehr setzen.

Aber Kinder sind nun mal auch ein Hoffnungsträger.

Und man kann auch in materiell schlechter gestellten Zeiten,

also wir leben ja hier in sehr privilegiert und in anderen Teilen dieser Erde

muss man mit ganz anderen,

also ich habe im Amazonas eine Familie kennengelernt. Die Kinder hatten ein T-Shirt.

Es waren die glücklichsten Kinder, die ich jemals immer, die hatten kein Spielzeug.

Die glücklichsten Kinder, die ich kennenlernen durfte. Und ich war...

Über eine Woche dort und habe sie dort, nee, es ist eine Woche gewesen,

und habe sie dort einfach erlebt.

Und die haben nie geheult, wenn sie sich mal verletzt haben vielleicht.

Aber das waren keine Quängler, die waren glücklich.

Und ich dachte, ja, es gibt auch, man muss hier nicht die Bude voll Playmobil

und sowas haben, um irgendwie glücklich zu sein.

Gut, das ist jetzt eine Binsenbarheit. Aber wir wissen auch,

wenn wir uns mal einschränken müssten, geht die Welt nicht unter.

Und die armen Grünen sind immer für diese Verzichtsideologie.

Die als Programm gemacht wurden, so abgestraft worden. Dabei haben sie zur rechten

Zeit das Richtige gesagt und uns gewarnt.

Auch die Klima, die Kleber haben ihre Haut zu Markte getragen,

um uns fette Gesellschaft vor etwas zu warnen und sie wurden bespuckt und beschimpft,

und auch noch juristisch verurteilt.

Also das ist einfach so ungerecht. Deswegen, diese Generation hat da so viel mehr geleistet als wir.

Aber ich wünsche mir einfach, dass sie die nichtsdestotrotz,

obwohl sie da eine Menge einstecken mussten und müssen, die Hoffnung nicht verlieren.

Vielen Dank, liebe Sabine, für das Gespräch. Das war wirklich,

danke, dass du mich in dein Universum so mitgenommen hast und das alles mit

mir geteilt hast. Sehr gerne. Hat Spaß gemacht.

Es macht ja mal Spaß, über Dingen so nachzudenken. Das macht man für sich mit

seiner eigenen Teetasse. Macht man das ja nicht. Ja.