Hallo liebe Freunde des guten Geschmacks, ihr hört Raum und Tagelohn, euren Lieblings-Podcast
über Frauen in kreativen Berufen mit all ihren Herausforderungen und Sternstunden.
Mein Name ist Elena, ich bin Regisseurin und Produzentin und falls das zufällig die erste
Folge sein sollte, die ihr von diesem Podcast hört, ich spreche alle zwei Wochen mit interessanten
Frauen über die Balance zwischen kreativer Karriere und Privatleben.
Wir blicken gemeinsam in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft und manchmal schalte
ich zwischendurch auch ein paar Sonderfolgen mit rein, wo ich von meinen eigenen Erlebnissen
und Erkenntnissen berichte.
Und in dieser Folge teile ich meine Eindrücke mit euch, die ich in Stuttgart beim Trickfilm
Festival und der FMX Konferenz letzte Woche hatte, die ich im Rahmen einer Talentförderung
besuchen durfte.
Und wir gehen direkt rein.
Like and subscribe.
Die MFG Baden-Württemberg hat mich ausgewählt für ihr Talent-BW-Meetup, das sie gemeinsam
mit der Film-Commission veranstaltet hat und falls ihr nicht aus der Filmbranche seid und
damit gar nichts anfangen könnt, erkläre ich euch mal, was das genau sein soll und
zwar handelt es sich um eine Art Talentförderprogramm, mit dem junge Stimmen, aber auch Gründer
und Gründerinnen aus Baden-Württemberg aus der Kreativwirtschaft unterstützt werden
sollen.
Dieses Jahr waren neben mir auch viele talentierte Menschen dabei, die in den Bereichen Grafik,
Illustration, Musik, Games und allem dazwischen arbeiten.
Wir bekamen die Eintrittskarten für das diesjährige Stuttgarter Trickfilm Festival, bei dem wir
viele tolle Animationsfilme anschauen konnten, sowie auch der FMX Konferenz für Film und
Medien, die zeitgleich stattfindet und sich mit den neuesten Entwicklungen in den Bereichen
Film, Visual Effects und Games beschäftigt.
Und so konnte ich eine Woche lang quasi umsonst spannende Podiumsgespräche anhören, interessante
Einblicke sammeln, tolle Filme gucken und auch Preisverleihungen beibringen, eingebettet
in ein Rahmenprogramm mit entsprechenden Tipps fürs Netzwerken und gegenseitige unterstützen.
Und was glaubt ihr, welches Thema hat bei all diesen Gesprächen auf der Bühne und
auch hinter den Kulissen dominiert?
Natürlich die Frage, die uns wahrscheinlich alle gerade mehr oder weniger beschäftigt.
Wer hat Angst vor der künstlichen Intelligenz?
Naja, ich fand es aber sehr spannend zu sehen, dass die wirklich groÃen und wichtigen Menschen,
Visionäre, wie ich sie nenne, eigentlich gar nicht so groÃe Angst vor der KI haben
bzw. sie als eine von vielen, wenn auch gewaltigen Disruptionen der technologischen Entwicklung
sehen.
Und bei näherer Betrachtung haben die oft genug festgestellt, naja, so einfach und so
gut sind die Ergebnisse ja oft noch gar nicht, um sie wirklich komplett auszulagern und Künstlerinnen
und Künstler in ihren Arbeitsprozessen komplett zu ersetzen.
Und spannender ist vielmehr, dass bekannte Arbeitsabläufe nach Schema F wegfallen.
Also wenn wir jetzt vom Film sprechen, wenn es früher Prozesse gab, die nacheinander
funktionierten, zum Beispiel, naja, die Vorbereitung einer Produktion, dann der Dreh, anschlieÃend
der Schnitt, findet derzeit oft natürlich alles zeitgleich statt, weil man nicht das
virtuell produziert wird, anderes nicht voneinander zu trennen ist, Programme sich technisch ergänzen
und überlappen.
Wer da interdisziplinär denken kann, ist meiner Meinung nach klar im Vorteil.
Und das war so ein Eindruck, der sich durch verschiedene Talks durchgezogen hat.
Einer meiner absoluten Highlights war eine Masterclass zum Thema Intellectual Property.
Also im Grunde, wie man es schafft, unabhängig von Förderung und Investoren und Geldgebern,
eine eigene Marke zu kreieren, zu finanzieren und diesen Prozess beizubehalten, einfach
Content für die Community zu machen.
Das hat Nicolas Koberner am Beispiel von Klenozor sehr eindrückend dargelegt.
Der kommt aus Kanada und irgendwie hatte der einfach so eine gute Laune und eine gute
Art, das alles zu erklären.
Und es ging einfach basically darum, dass Künstlerinnen und Künstler von Anfang an
die Community mitnehmen können durch Zeichnungen, Sketche, was auch immer sie entwickeln in
einer Idee und nach und nach wachsen und vielleicht auch Produkte erstellen, die sie verkaufen
können, zum Beispiel Plüschtiere in dem Fall von kleinen Dinos oder auch Zeichnungen,
Comics, whatever.
Und damit schon Geld generieren, um dann weitere Schritte möglich zu machen.
Klingt einfach und sehr reduziert, aber in dem Fall hat es total gut funktioniert.
Und naja, das Einzige, was man da kritisch anmerken könnte, wäre zu sagen, es funktioniert
halt gut bei süÃen Dinos und vielleicht nicht so gut bei melancholischen, depressiven
Themen.
Aber ich mag einfach diesen Gedanken von, wir müssen nicht warten, bis Vater Staat
uns ein bisschen Geld in die Tasche schieÃt oder sonst was oder irgendein Recher Investor
sich erbarmt und man fängt einfach irgendwo an und irgendwo kommt dann irgendwas bei rum
und das ist irgendwie auch genau meine Mentalität.
Deswegen fand ich das sehr erfrischend, da mal so einen positiven Case zu hören und
finde mich einfach in allem bestätigt, woran ich auch glaube.
Und ich hoffe, dass es mich nicht dazu bringt, nach Kanada auszuwandern, aber ich habe das
Gefühl, dass manche Leute einfach sehr stark lösungsorientiert denken und in die Richtung
versuche ich mich auch zu orientieren.
Ein weiteres Highlight war ein Live-Podcast, bei dem ich dabei war.
Da ging es um die besten Visual Effects der Filmgeschichte und da habe ich sogar was
gewonnen und das war natürlich auch richtig cool.
Und zwar habe ich einen Kurs gewonnen für die Software Nuke, mit der man Visual Effects
und Compositing machen kann.
Und ich bin natürlich nicht unbedingt vom Fach, aber ich sehe das so ein bisschen wie
so ein Wink Gottes oder ein Zeichen, dass ich mich damit beschäftigen soll, weil ich
glaube, der Nerd in mir, der technologische Part in mir, findet das super spannend und
ich glaube, ich kann mich da auch richtig gut reinfuchsen.
Und es ist spannend für mich, da ich gerade an einem Projekt arbeite, das eigentlich eine
Beziehung aus Dokumentarfilm und Animationsfilm ist und ich da auch überlegt hatte, natürlich
auf verschiedene Arten visuelle Effekte reinzubringen.
Das heiÃt, mal schauen, was dabei rauskommt, mal schauen, wie gut ich mich mit dieser Software
anstelle.
Natürlich haltet ihr euch auf dem Laufenden und wenn es was zu sehen gibt, dann kriegt
ihr da Bescheid.
Ganz grundsätzlich muss ich aber auch das Thema anschneiden, wie sehr wir doch in Schubladen
denken.
Also klar, berufsmäÃig, wenn da Spezialisten aufeinandertreffen, dann haben die oft eine
ganz spezielle Karriere durch Lauf und haben sich auf etwas fokussiert und können dann
manchmal mit Leuten nicht so viel anfangen, die so zwischen den Welten schweben, wie ich
immer gern zu sagen pflege.
Gleichzeitig ist es eben die Botschaft, die ich mitgenommen habe, dass gerade dieses Weltenwandeln
in Zukunft super wichtig wird, beziehungsweise jetzt schon ist.
Also eigentlich ist es das schon, aber trotzdem, wenn ich mich dann auf eine Veranstaltung
vom Animationsfilm schleiche und da aufkreuze und einfach nur Animationskünstler dort sind,
dann kann es schon passieren, dass ich gefragt werde, was machst du eigentlich hier?
Und es ist nicht eher so, dass genau das das Ziel sein sollte, dass wir nicht in unseren
kleinen Grüppchen bleiben, sondern uns austauschen, in Kontakt treten und uns freuen, wenn dann
mal einer sich dahin verirrt, der eigentlich komplett nicht vom Fach ist oder komplett
fremd ist.
Also dass die Frage dann eher lauten sollte, hey cool, dass du da bist, was machst du hier?
Was interessiert dich so?
Einfach ein bisschen mehr einladend.
Also ich habe mich da jetzt nicht ausgeladen gefühlt, aber dieses Denken in Schubladen,
das ist schon was, was mich auch immer wieder beschäftigt und mir immer wieder begegnet.
Und ich möchte diesen Podcast gerne nutzen, um alle so ein bisschen einzuladen, diese
Boxen zu verlassen und einfach mal sich dem zu öffnen, dass manche Leute halt sich nicht
für eine Box entschieden haben, sondern einfach gerne mal verschiedene Boxen ausprobieren
oder hier und da ihre Aktien hinterlegt haben.
Und bestätigt hat diesen Gedanken auch Simon Thumet, ein Drehbuchautor, der auf einem Panel
da saà und über die Marktsituation in meiner Zusammenarbeit gesprochen hat, der sich auch
relativ divers aufgestellt hat als Autor, der Kindersachen schreibt, aber auch Erwachsenenthemen.
Und irgendwie fand ich das sehr, ja, hat mir das sehr aus dem Herzen gesprochen.
Ein Zitat von ihm ist mir auch hängengeblieben.
Beggars can't be choosers.
Also die Leute, die Fördergelder bekommen oder nach Geld fragen oder Geld brauchen,
sind nicht in der Position, auszusuchen und auszuwählen.
Und da ist was dran, aber es ist auch sehr traurig.
Und ich weià nicht, es ist auf jeden Fall ein Satz, den ich mir aufgeschrieben habe
und der mich so vor die Frage stellt, wie gehe ich persönlich damit um?
Denn ich will auf jeden Fall was entscheiden und was zu sagen haben.
Aber wie macht man das, wenn man nicht etabliert genug ist oder die Kohle hat
oder die riesige Industrie im Rücken?
Wie kann man frei sein?
Und wie groà ist der Spielraum?
Das sind so Themen, die mich auf jeden Fall immer wieder in meiner Arbeit beschäftigen.
Und wer sich darüber keine Gedanken machen muss, ist Roland Emmerich,
Regisseur von Independence Day, der lustigerweise aus Stuttgart kommt
und zum 30. Jubiläum der FMX auch anwesend war.
Und das war natürlich total crazy, den mal live zu sehen.
Also der war wirklich direkt neben mir.
Ich saà recht weit vorne und bevor er auf die Bühne kam,
stand er einfach direkt neben mir und hat ein Glas Deck getrunken.
Einfach ein ganz normaler Dude.
Aber auf der Bühne war dann natürlich die Hölle los, beziehungsweise danach.
Ich habe mir auch ein Autogramm geholt.
Aber ich fand es schon interessant, wie eine einzelne Person so den Raum verwandeln kann
und wie viel Ehrfurcht da mitschwingt.
Es war auf jeden Fall schön, den mal live zu sehen.
Ich nehme daraus auf jeden Fall für meine Arbeit mit,
vielleicht auf das Glas Sekt zu verzichten, wenn man auf die Bühne geht.
Dann kann man vielleicht ein paar inhaltliche Fragen besser beantworten.
Ansonsten fragt ihr euch vielleicht, warum in dieser Folge kein Gast auftaucht.
Es ist nicht so, dass ich die Leute nicht gefragt habe,
ob sie bei dieser Sonderfolge irgendwas mitsprechen möchten.
Aber ich bin auf sehr viel Zurückhaltung gestoÃen.
Auch auf Menschen, die gar nicht im Internet stattfinden,
also gar nicht auf Social Media sind oder online vorzufinden.
Ich habe einerseits einen Riesenrespekt vor diesem Entschluss.
GrüÃe gehen raus an diese Menschen, weil ich irgendwie meinen Hut davor zücke
und mir selber manchmal sehr, sehr wünsche,
auch diese ganzen Internet-Sachen, Social Media und die ganzen Kram sein zu lassen.
Aber meine Arbeit verbietet das irgendwie.
Wenn ich ein ganz anderes Leben hätte und Blumen verkaufen würde im Blumenladen,
dann würde ich wirklich drauf verzichten, weil es oft nur pures Gift ist.
Aber gleichzeitig ist das mein tägliches Brot, mein Tagelohn.
Ich finde, man kann was draus machen.
Es ist wirklich eine Hassliebe, die ich mit den sozialen Medien habe.
Ich lerne aber viel aus irgendwelchen Instagram-Videos, aus irgendwelchen LinkedIn-Posts,
Sachen, die mich sonst nie erreicht hätten, Inspirationen.
Ich kann das nicht komplett verteufeln.
Deswegen sind das gemischte Gefühle.
Ich glaube, es ist cool, wenn man da eine Linie für sich gefunden hat
und auf diesen ganzen Quatsch verzichtet oder auch nicht in einem Podcast stattfinden will
oder sich zu schüchtern ist, sich zu Wort zu melden.
Und ich habe auch Respekt oder Akzeptanz dafür.
Gleichzeitig glaube ich, dass man in diesen Zeiten schon ein bisschen sichtbar werden muss
und nicht gefunden wird oder nicht darauf hoffen kann, irgendwo entdeckt zu werden,
wenn man sich im stillen Kämmerlein versteckt.
Aber wie geht man damit um, wenn man nicht auf die gröÃe Bühne klettern möchte
und am lautesten schreien in einem Podcast?
Das ist schwierig, aber na ja.
Mir macht das auch nicht alles SpaÃ.
Ich halte meine Fresse auch nicht super gerne in die Kamera.
Und selbst der Podcast kostet mich manchmal Ãberwindung oder hat es am Anfang auf jeden Fall getan.
Ich bin auch sehr schüchtern oder sehr introvertiert manchmal,
bin mich gekehrt und kriege keinen Ton raus.
Und wenn man dann eine Folge aufnehmen muss, dann ist es einfach Teil der Arbeit.
Und so sehe ich das. Manche Sachen gehören dazu.
Und ich glaube, man kann darauf verzichten,
aber es ist dann eben eine wirtschaftliche Entscheidung und letzte Konsequenz auch.
In diesem Sinne bin ich sehr, sehr dankbar auch für die Teilnahme bei dieser Talentförderung.
Und auch da habe ich gemischte Gefühle, weil einerseits finde ich,
es ist überhaupt nicht selbstverständlich, so eine Möglichkeit zu haben.
Es ist ein groÃes Geschenk.
Es ist eine groÃe Gelegenheit, aus der man was machen kann.
Ich habe viele wichtige Menschen kennengelernt.
Ich war auf wichtigen Partys, ich habe wichtige Hände geschüttelt,
wichtige Visitenkarten ausgetauscht,
aus denen sich Sachen ergeben können und auch ergeben werden.
Und ich freue mich sehr darüber.
Und gleichzeitig sollte es vielleicht selbstverständlich sein,
sich bei sowas anzumelden, weil, na ja,
oft denkt man, diese Angebote sind nicht für einen selber.
Man denkt, es ist vielleicht für jemand anderen gedacht.
Oder man ist einfach nicht so drin, sich für solche Ausschreibungen überhaupt zu interessieren,
zu bewerben und man hat vielleicht noch keine guten Erfahrungen damit gemacht,
dass sowas auch Erfolg haben kann.
Vielleicht denkt man auch, man hat es nicht unbedingt verdient.
Aber ganz ehrlich, während man da selber sitzt und denkt, man hat es nicht verdient,
wird irgendwer mit dem halben Talent sich das groÃe Stück vom Kuchen sichern.
Deswegen kann ich nur animieren, wenn ihr was Cooles macht,
worauf ihr stolz seid, was euch Freude macht.
Und wenn ihr damit einfach wachsen wollt und mit Leuten in Kontakt treten wollt,
die ähnlich ticken, die mit euch arbeiten wollen,
dann geht raus und bewerbt euch bei diesen ganzen Stipendien und Förderprogrammen und Wettbewerben.
Nehmt einfach die Chancen an, weil die sind auch endlich,
die gibt es nicht in unendlicher Zahl und auch nicht in unendlicher Ewigkeit.
Die Fördergelder werden immer knapper und das wird einem auch irgendwann nicht mehr nachgeworfen.
Das ist auch was, was vielleicht verjähren kann irgendwann und dann verstrichen ist.
Also würde ich einfach sagen, probiert es doch einfach aus,
weil den Platz bekommt sonst jemand anderes.
Und wer weiÃ, ob der wirklich mehr drauf hat als man selber.
Also das würde ich gerne als Botschaft mitgeben.
Vielen Dank für diese Gelegenheit an die MFG und die Film Commission.
Es hat mich wirklich sehr geboostert und nach vorne gebracht.
Und an alle anderen, die jetzt zuhören und auch Lust auf sowas haben,
dann nutzt die Chance und macht das Beste draus.
Das war auch schon mein kleiner Abriss von der Veranstaltung.
Ich muss sagen, ich fand nicht, dass zu wenige Frauen oder so auf der Bühne waren.
Ich fand, die Frauen, die auf der Bühne waren, waren richtig cool.
Und ich weià nicht, das ist irgendwie so die Art von Feminismus, die mir gefällt.
Einfach kompetente Frauen, die für was einstehen und eine Meinung haben
und in keiner Konkurrenz zu den Männern auf der Bühne stehen.
Also es war ein sehr gutes Miteinander und sehr kompetente Leute.
Und ja, ich bin echt gespannt, was aus den Sachen sich ergeben wird,
die sich bei mir so aufgetan haben.
Und wenn ihr die Folge gut fandet, dann freut euch auf die nächste,
denn dann wird es wieder einen Gast geben.
Wir werden in die biografischen Abgründe und Höhenflüge einsteigen.
Also schaltet wieder ein bei Traum und Tagelohn,
eurem Lieblingspodcast über Frauen in kreativen Berufen.
Ich bin euer Host Elena und nicht vergessen, immer fleiÃig weiter treu.
Untertitel der Amara.org-Community