Hallo liebe Freunde des guten Geschmacks, ihr hört Traum und Tagelohn, euren Lieblingspodcast
über kreative Frauen, ihre groÃen Träume und das tägliche Brötchen verdienen.
Mein Name ist Elena und heute spreche ich mit Andrea Enri Weber, die eine Pension in
einem ganz kleinen Ãrtchen in der Nordschleife betreibt.
Und es ist nicht nur eine Pension, sondern ein eigenes Theater.
Also Andrea leitet ein Theater, spielt auch selber darin und was sie sonst noch alles
macht, wird sie uns gleich in dieser Folge erzählen.
Wir gehen direkt rein.
Andrea Enri Weber ist bei mir, Schauspielerin aus Bernek und das ist total interessant,
weil dieses Ãrtchen Bernek ist wirklich sehr klein, also ich glaube knapp über 300 Einwohner
hat es hier und ich erzähle gleich noch, wie ich bei einer deiner Aufführungen gelandet
bin.
Aber erstmal starten wir die Folge damit, dass du ein Gegenstand mitgebracht hast,
mit dem wir immer, also für alle, die jetzt zum ersten Mal zuhören, mit dem Gegenstand
stellen wir immer die Person so ein bisschen vor, lernen sie kennen und jeder Gast bringt
einen persönlichen Gegenstand mit, der irgendwas im weitesten Sinne entweder mit dem persönlichen
Werdegang zu tun hat oder mit der kreativen Karriere.
Und jetzt bin ich ganz gespannt, was Andrea mir mitgebracht hat.
Ja, ich habe lange überlegt, beziehungsweise überlegt, was für einen Gegenstand ich mitbringen
soll. Da gibt es ja viele Gegenstände in meiner Requisite, also vom Rotkäppchen-Käppchen,
was mein erstes Stück damals war, bis hin zu vielen anderen Requisiten, Blaunase, alles
habe ich mir überlegt, was könnte ich mitbringen.
Aber ich habe mich dann entschieden, einen Deckel von einem Schuhkarton mitzubringen,
von Schuhen, die ich mir damals gekauft habe.
Da war ich in einem Schuhgeschäft, habe mir zwei Paar Schuhe gekauft, habe einen groÃen
Karton und einen kleinen Karton in meiner Tüte gehabt, bin nach Hause gegangen, habe die
Schuhkartons abends rausgetan und sehe auf dem Schuhkarton mein Gesicht.
Oh, was mache ich denn da auf diesem Schuhkarton?
Ich schaue es mir mal an.
Aha, okay.
Also ich sehe da gerade ganz viele verschiedene Bilder, so Collagen-artig auf diesem
Schuhkarton drauf. Das ist ein Schwarz-Weià und da sind so wie Werbeplakate auch für
verschiedene Veranstaltungen und eins davon, da ist eine junge Dame, die lächelt und da
sind auch Termine verzeichnet.
Also wahrscheinlich ist es auch so eine Art Werbung für eine anstehende Veranstaltung.
Genau, das ist ein A1-Plakat, wo damals mein Kopf drauf war.
Ich habe dann schnell realisiert, dass die Designerin, die diesen Schuhkarton designt
hat oder die dafür das hergestellt hat, einfach eine LitfaÃsäule fotografiert hat in
Freiburg.
Stil, das macht total Sinn.
Ja, jetzt okay.
Und das ist auch wirklich eine Schnittstelle von meinem künstlerischen Werdegang.
Das war 1991 und es hing die Plakate in der ganzen Stadt.
Das war damals, ist ein Suchtpräventionstheater-Stück, also Antidrogenstück,
der goldene Schlüssel, da hatte ich sozusagen eine tragende Rolle.
Und als die ganzen Plakate in der Stadt hing, ich bin schwanger geworden.
Das heiÃt, das Leben hat mir noch mal was anderes gezeigt.
Genau.
1991 war das?
Genau.
Da bin ich gerade geboren.
Das muss erst mal ein total verrücktes Gefühl gewesen sein, mit diesen Schuhen nach Hause
zu kommen und dann sein Gesicht auf diesem Karton zu sehen.
Das war so der Peak deiner damaligen Karriere, die ganze Gegend tapeziert mit den Plakaten,
die groÃe Veranstaltung.
Das war ein Start, genau.
Zum ersten Mal in der Werbung.
Vorher hatte ich Kinderstücke gespielt, wie Rotkälbchen, Bremer Stadtmusikanten,
Klauenstück und jetzt eben ein Suchtpräventionsstück.
Wow.
Das war schon so ein kleiner Peak.
Genau.
Das macht gerade ganz viele interessante Themenfässer auf, in die ich alle gleich mal reinschnuppern möchte.
Aber erst mal vielleicht mal kurz zum, wie wir uns jetzt kennengelernt haben.
Also dieses Ãrtchen Bernek, in dem wir jetzt hier sind, das ist wirklich sehr, sehr klein.
Und ich bin jetzt hier vor einem Jahr hergezogen und dann habe ich festgestellt,
hier gibt es ja ein Theater.
Also das fand ich total aufregend, weil das ist so ungefähr das Letzte, womit ich hier gerechnet habe.
Hier gibt es ja nicht mal einen Bäcker oder so.
Und so klein ist der Ort.
Aber es gibt ein Theater und vielleicht kannst du ganz kurz mal darüber erzählen.
Also das ist auch eine Pension.
Und wie kommt es dazu, dass wir hier in Bernek ein Theater haben?
Das Theater ist ja ein Bruderhaus.
Das ist noch mal kleiner.
Das ist ein Teilort, der zu Altenstein gehört und früher zu Bernek gehörte, als Bernek noch eine Stadt war.
1972 wurde dann Bernek zu Altenstein gehörend.
Und im Bruderhaus gibt es nur 17 Einwohner.
17 Einwohner.
Genau, im Moment.
17 Einwohner.
Als ich hergezogen bin, waren es nur 5.
Wir sind gewachsen.
Das ist mein Elternhaus.
Ich bin dort aufgewachsen in einer GroÃfamilie.
Wir waren drei Mädels, Geschwister.
Und Opa, Oma, Tante, Eltern.
Also richtig GroÃfamilie.
War noch Landwirtschaft dabei.
War Gastronomie.
Meine Eltern hatten in den 70er Jahren dann das Gästehaus, das groÃe, gebaut.
Und ja, bin in einem sehr arbeitsreichen Haushalt.
Sehr arbeitsreich war das dort mit der Gastronomie.
Aufgewachsen und hab in Altenstein Abitur gemacht.
Und war aber immer sehr freiheitsliebend.
Und wir hatten alle drei das groÃe Glück, dass unsere Eltern uns alle Freiheiten auch geboten haben.
Es war damals eigentlich noch die Zeit, wo man sich benehmen musste.
Und man macht das und das.
Und man macht kein Abitur.
Man macht Realschule oder Hauptschule und macht dann einen ordentlichen Beruf.
Aber wir sind nicht so sozialisiert worden.
Wir hatten wirklich Freiheit.
Und das hatten sich meine Eltern auch schon bei ihrer Hochzeit gesagt.
Wir lassen unseren Kindern Freiheit.
Und die haben wir auch alle zur Genüge ausgekostet.
So schön.
Also gerade für die Zeit ist das ja dann echt bezeichnend.
Du hast ja dann auch Philosophie studiert.
Das haben wir gemeinsam.
Und Spanisch und Germanistik.
Und war es dann so bei dir schon als Kind?
Also hast du da schon gern mit Theater gespielt?
Oder wann ist das so in dein Leben getreten?
Also als Kind haben wir die ganze Zeit gespielt.
Wirklich die ganze Zeit.
Und wir haben auch schon, da waren wir so zehn, elf, haben wir Witze gespielt.
Haben die einstudiert.
Und ich hatte so eine kleine Holzhütte und haben die da Touristen vorgeführt.
Die vorbeiliefen.
Die haben sich dann unsere gespielten Witze angeschaut.
Also es war so ein kleiner Gag.
Da hat es eigentlich so angefangen.
Aber wir haben immer gespielt.
Wir waren immer drauÃen, wie das damals noch eher üblich war.
Wir haben wirklich im Wald gespielt.
Alle möglichen Spiele uns ausgedacht.
Das ist echt eine Traumkindheit.
So stelle ich mir das vor.
Aber im Grunde wollte ich eigentlich schon als Kind, ich wollte immer Ãrztin werden.
Medizin war es.
Ich wollte heilen und helfen.
Das war schon ganz früh.
Das hat mir niemand eingeimpft.
Das war einfach.
Ich wollte Ãrztin werden.
Hab dann auch in der Schulzeit darauf hingearbeitet.
War gute, strebsame Schülerin.
Hat mir auch Spaà gemacht.
Hab groÃes Latinum gemacht.
Dann auch einen Johanniterschein und so weiter.
Und hab irgendwann dann doch gemerkt, ich bin zu sensibel dafür.
Ich kann es nicht.
Mir wird schon schlecht, wenn ich einen Krankenwagen höre.
Ich hab mir das dann nochmal überlegt, wie fühle ich mich denn dann als Ãrztin.
Es war wahrscheinlich an einem Tag, wo das in mein Sein kam,
das ist nicht das Richtige.
Ab da war ich auch nicht mehr gut in der Schule.
Hab dann eher ein mittelmäÃiges Abitur gemacht.
Hab nicht mehr strebsam gelernt.
Das ist total wichtig, an diesen Punkt überhaupt zu kommen.
Also auch rechtzeitig an den Punkt zu kommen.
Nicht erst nach drei Semestern Medizinstudium oder so.
Sondern dass man in sich gehen kann und das spüren kann und auch eingestehen will.
Ich kann mir vorstellen, wenn man bis dahin so einen Weg gebaut hat
und sich darauf vorbereitet hat, dass es gar nicht so einfach ist,
sich dieses Eingeständnis zu machen.
Also das ist, glaube ich, ziemlich stark.
Und dann wies es von Medizin in die kreative Szene.
Also ich hab dann natürlich überlegt, willst du eigentlich schon studieren?
Weil ich hatte gar keinen Plan.
Ich bin dann nach dem Abi erstmal nach Israel, in Kibbutz.
Meine Eltern haben ja die Freiheit gelassen.
Das war für die natürlich schlimm.
Das war gerade kurz nach dem Libanon-Krieg.
Ich war an der Grenze zum Libanon in einem Kibbutz, wo noch Kämpfe auch stattfanden.
Politik hat mich aber damals nicht interessiert.
Ich bin da völlig angstfrei hin.
Ist mir auch nichts passiert.
Also ich war dort Israel, dann Ãgypten.
Das ganze ein halbes Jahr.
Und dann, ich war ja sehr an Sprachen interessiert schon immer und hab gern gelesen
und gern mich mit Philosophie, Sprache beschäftigt.
Hab ich mir gedacht, könnt doch eigentlich Germanistik studieren.
Also ich hatte auch Deutschleistungskurs
und hab mich dann für Germanistik beworben in Tübingen und in Freiburg
und hab für beides einen Studienplatz bekommen.
Vorher hatte ich mich noch für Kunst interessiert, also beworben in Nürtingen.
Da hatte ich aber keinen Platz bekommen.
Und ja, hab dann mich entscheiden müssen zwischen Tübingen und Freiburg.
Bin in beide Städte gefahren und Freiburg ist es dann geworden.
Hab das auch intuitiv entschieden.
Wo fühle ich mich wohler?
Und ich bin nach Tübingen gekommen und da hat mir ein Obdachloser vor die FüÃe gekotzt.
So hab ich meine Entscheidungen getroffen.
Und da dachte ich, nee, Tübingen ist es nicht.
Du hast ja gesagt, du fährst in beide Städte und guckst, wie du dich fühlst.
Und dann war es Freiburg.
Vielleicht war es ein Zeichen.
Ich hab in Tübingen Philosophie studiert.
Echt? Okay.
Aber ich kann mir vorstellen, dass Freiburg gerade fürs Theaterspielen oder für diese freie Szene eine gute Entscheidung war.
Ja, ja.
Also, wow.
Das ist erst mal mutig, sich von Medizin in so ein geisteswissenschaftliches Feld zu begeben.
Auch total schön, dass da die Eltern dich darin unterstützt haben.
Weil das ist auch, wie gesagt, in der Zeit und auch generell nicht so selbstverständlich, diese brotlose Kunst auszuüben.
Du hattest ja diesen Schuhkarton vorhin gezeigt mit dem Plakat, dem goldenen Schlüssel.
Und ich finde es total interessant, dass man Theater auch an Orte trägt, die erst mal vielleicht nicht darauf vorbereiten.
Also zum Beispiel, wenn man jetzt das Ganze mit so einem wichtigen Thema wie Drogenprävention oder einfach Arbeit mit Jugendlichen.
Ich glaube, das kann ein super schöner spielerischer Zugang sein zu solchen Themen.
Gerade vielleicht für Jugendliche, die in ihrem Leben noch gar nichts für Theater oder Kunst oder Sonstigem am Hut hatten.
Das finde ich spannend.
Also der goldene Schlüssel, war das dein erstes Präventionstheaterprojekt oder war das dann das erfolgreichste?
Also vielleicht kannst du mal erzählen, was das 1991 in deinem Leben, was da gerade los war und was du da mit diesem Theater gemacht hast.
Der goldene Schlüssel ist ein Theaterstück zur Suchtprävention, wie ich bereits gesagt habe.
Der goldene Schlüssel ist praktisch der Schlüssel zum Bewusstsein und der Schlüssel, um unser Unterbewusstsein auf- und zuzuschlieÃen.
Und das sind drei Figuren in dem Stück. Das ist der Fetzer, die Dranfunsel und das Flittchen.
Ich hatte die Rolle des Flittchens. Das sind drei von sieben Kellerkindern, die wir da dargestellt haben.
Und in dem Stück gab es auch ein Mitspielteil, wo dann die Schüler auf die Bühne kamen.
Die wollten, also ein Schüler, den wir dann in eine Suchtsituation verwickelt haben.
Zum Beispiel auf dem Pausenhof. Wenn du zu uns gehören willst, dann rauch doch jetzt eine.
Oder wir haben uns verschiedene Sachen ausgedacht. Der Fetzer war dann immer fetzig.
Die Dranfunsel hat sie in ihre müde, langweilige Energie reingezogen und das Flittchen in ihre erotische Energie.
Auch unbewusste Energien, die wirken in so einem Fall.
Und der Schüler oder die Schülerin hatte die Aufgabe, sich in diese Spiele nicht reinziehen zu lassen.
Und mit dem Schlüssel, also dem goldenen Schlüssel des Bewusstseins, stärker zu sein als die Sucht.
Und das im Spiel. Und wir hatten richtig einen goldenen Schlüssel.
Die hatten dann den goldenen Schlüssel in der Hand und wir haben als Kellerkinder versucht, diesen Schlüssel zu entreiÃen.
Also als Symbol. Wenn der Schüler oder die Schülerin den Schlüssel verloren hat, hatte er verloren.
Wenn der Schlüssel behalten wurde, wenn wir danach griffen, wurden die mit einer Rose belohnt.
Und waren also stärker als ihre Angriffe der Sucht.
Wie alt waren die Jugendlichen?
Ach, die waren so siebte, achte Klasse.
Okay, so 14.
Genau.
Und die haben sich einfach darauf eingelassen?
Ja.
Und haben sie dann auch so gefeedbackt, was es bei denen so vielleicht bewirkt hat?
Oder hast du danach noch die Möglichkeit, vielleicht nach ein paar Jahren, ich weià nicht, ob man dann irgendjemandem auf der StraÃe begegnet?
Hast du das Gefühl, das hat langfristig bei denen was verändert oder zumindest einen Impuls gesetzt?
Wir haben oft nach dem Stück noch Workshops gehabt, wo wir Spieler, wir waren vier Spieler, dann in Gruppen das Stück nachbearbeitet haben.
Und da waren dann wirklich interessante Gespräche und auch viele Erkenntnisse der Schüler und Schülerinnen.
Mir kam gerade der Gedanke, dass das ja eigentlich eine schöne Versöhnung mit dem Medizin-Gedanken ist.
Genau.
Also das Helfen und Heilen oder das, was dich da für Medizin interessiert hat, schwingt da ja mit.
Also dass man spielerisch, aber trotzdem helfend mit diesen jungen Menschen in Berührung kommt und in Verbindung tritt.
Ja.
Und vor allem auch in den Märchen, genauso wie in Suchtprävention, wenn die Kinder ihre Gefühle ausdrücken können.
Also in der Schule werden sie getrillt, ja, viel mit Kopf und Programme für den Körper, für den Geist.
Aber für die Gefühle gibt es keine Programme in der Schule.
Stimmt, ja. Das fände ich auch so spannend an eurem Angebot im Theater, da ist wirklich irgendwie für jeden was dabei.
Also es gibt ein Ferienprogramm, es gibt was für kleine Kinder, für Erwachsene.
Und das Präventionstheater, also das ist wirklich irgendwie sehr schön, dass es da so eine bunte Paillette an dem Programm gibt.
Und ich war bei zwei Stücken schon und ich erinnere mich noch, wie ich im Sommer Frau Spätzle angeschaut habe.
Also das ist ein Stück, was du alleine spielst und ich war so überwältigt.
Ich bin mit dem Fahrrad nach Hause gefahren, einfach durch den Wald, durch das sommerliche Abendlicht.
Und ich weià noch, wie mich das irgendwie total erfüllt hat, weil ich mir gedacht habe,
wie schön, dass es einfach in so einem intimen Theater die Möglichkeit gibt, so ganz nah an der Bühne zu sitzen.
Und du spielst und also alleine ist es total schwer, die Aufmerksamkeit und die Spannung im Raum zu halten.
Allein als einzige Person auf der Bühne, das ist richtig anspruchsvoll.
Und du hast es geschafft, mich so ganz oft zum Lachen zu bringen.
Und ich hätte einfach nicht gedacht, wie sehr mir so schwäbische Komödien in meinem Leben gefehlt haben anscheinend,
weil es wirklich irgendwas in mir drin ganz, ganz gut getroffen hat.
Und das ist ein bisschen auch die Idee des Podcasts, also die Frage in den Raum zu stellen,
muss man, um als Frau, als kreative Frau glücklich und erfolgreich zu sein,
muss man da nach Berlin an die groÃen Bühnen gehen, gerade als Schauspielerin,
muss man diesen Standardweg gehen, um dann irgendwo in Hollywood zu landen?
Oder ist es nicht vielleicht so, dass man gerade in so einem kleinen Rahmen,
also es muss ja auch kein Widerspruch sein oder kein Gegensatz,
aber dass man gerade da, wo man es vielleicht nicht erwartet, gerade im ländlichen Raum,
auf einer kleinen Bühne vielleicht viel mehr künstlerische Freiheit finden kann,
viel mehr Ausdruck, viel mehr das Publikum, dass es jetzt eben nicht irgendwelche Kultursnobs sind,
sondern wirklich interessierte Gäste.
Also das würde mich noch interessieren bei dir, weil du warst ja in Berlin,
du hast ja auch ein Theater geleitet in Berlin.
Vielleicht kannst du uns an dieser Station mitnehmen.
Wie bist du nach Berlin gekommen und dann wieder zurück nach Bernig?
Ja, vielleicht erstmal Freiburg. Ich war ja erst viele Jahre in Freiburg
und von Freiburg war die nächste Station dann Backnang bei Stuttgart,
wo ich dann auch ein Theater geleitet habe und von Backnang bin ich dann nach Berlin.
Da hat mich die Kunst auch hingeführt und die Zeit in Backnang war vorbei.
Ich habe dann in Berlin natürlich auch viel Kindertheater gemacht, Kurse gegeben,
Abendtheater, letztendlich ähnliche Stücke wie in Freiburg und Backnang.
Und es war auch vorbei das Stück Die 68er Spätlese, in dem ich sieben Jahre lang gespielt habe.
In Freiburg ein sehr erfolgreiches Kultstück über die 68er Zeit.
Das war auch vorbei. Es war dann einfach ein Cut und Berlin war stimmig.
Und dann warst du wie lange in Berlin?
Vier Jahre. Und von Berlin bin ich dann, also meine Eltern sind dann älter geworden
und es war die Frage, wer übernimmt dort? Ãbernimmt jemand?
Und dann war zunächst meine Schwester aus La Palma dort.
Die lebt auf den Kanarischen Inseln schon mehrere Jahrzehnte.
Die wollte das dann aber dann doch nicht machen und ich habe so gesagt,
ja ich stehe dahinter, wenn sie es nicht macht.
Und dann ist sie tatsächlich zurück auf die Kanaren.
Und dann war es für mich auch stimmig Berlin zu verlassen.
Es hat dort eh auch beziehungsmäÃig nicht mehr gestimmt mit meinem damaligen Freund.
War es schwer für dich zurückzukommen?
Ich hatte einige Gäste schon, die im Podcast wieder zurückgekehrt sind an den Heimatort.
Also war das vielleicht sogar sehr vertraut und einfach der nächste logische Schritt in der Karriere,
weil du ja da auch wieder was Eigenes aufbauen konntest.
Also es war natürlich irre von einer vier Millionen Stadt zu fünf Einwohnern.
Aber ich hatte mich ja gefühlsmäÃig an eine sehr glückliche Kindheit in der Natur erinnert
und ich bin auch mit der Natur sehr verbunden und liebe das und bin viel im Wald.
Das hat mir natürlich in den Städten auch immer ein bisschen gefehlt.
Da muss man immer dann hinfahren, wenn man ein Naturerlebnis wollte.
In Freiburg war es natürlich ein bisschen kürzer als in Berlin in die Natur zu kommen.
Von dem her war, ich habe mir da keine groÃen Gedanken gemacht, jetzt probierst du es.
Ich wusste ja nicht, klappt das im Wald, kommen da Leute.
Die Zeit dort war vorbei und so wie immer in meinem Leben, ich habe dann neue Schritte gewagt,
ohne zu wissen, was erwartet mich da wirklich.
Ich bin es auch gewohnt ohne Netz und doppelten Boden.
Du hast noch nie in einem Angestelltenverhältnis gearbeitet.
Das muss ein total aufregendes Gefühl sein.
Die meisten Menschen haben ja so ein starkes Sicherheitsbedürfnis,
aber auch, weil wir es nicht anders kennen.
Wir kennen es so, dass wir nach der Schule dann entweder eine Ausbildung oder ein Studium machen
und dann in irgendeine Art mehr oder weniger geregeltes Arbeitsverhältnis einsteigen.
Davon dann loszukommen, diesen Schritt, den kann man sich dann oft gar nicht vorstellen.
Das muss dann schon etwas Besonderes passieren, um überhaupt aus diesem Sicherheitsnetz rauszudrehen.
Bei dir war es dann aber so, dass du gar nicht erst eingetreten bist in so ein Sicherheitsdenken.
Das heiÃt, du bist nach dem Studium direkt als freie Künstlerin von Engagement zu Engagement gereist.
Du warst ja auch viel auf Reisen, das habe ich auch notiert.
Vielleicht kannst du uns noch mal darüber erzählen.
Hat dir das nie gefehlt, so ein Sicherheitsnetz zu haben?
Nee, ich war immer sehr freiheitslieb.
Ich muss dazu sagen, ich war da ja schon in der Gruppe in Freiburg, in der festen Theatergruppe,
aber wir waren alle freie Honorarkräfte.
Es gab kein am Ende des Monats Gehalt oder so.
Ich bin wirklich über die einzelnen Stücke und Aktivitäten, dann habe ich meine Einkünfte zusammengestückelt.
Warum ich keinen Beruf erwählt habe, ich habe mir das dann so vorgestellt.
Ich bin dann acht Stunden und mache nur eine Sache und muss in eine Sache so tief einsteigen,
in ein Thema und mache das mein Leben lang.
Gut, ist ja heutzutage nicht mehr so, dass man das dann ein Leben lang macht.
War damals noch eher so, dass man Beruf lernt und dem dann treu bleibt.
Und das konnte ich mir nicht vorstellen, auch von der Philosophie und Germanistik heraus.
Damit kann ich keinen Beruf draus machen.
Aus Spanisch, das wird nichts.
Ich habe auch gemerkt, ich bin in einer gewissen Weise auch denkfaul.
Ich komme aus einer Familie, wo sehr viel auch einfach gearbeitet wurde.
Da wurde nicht groà am Schreibtisch gesessen.
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich mit Denken Geld verdienen kann.
Das war schon mal das eine.
Obwohl mir das unglaublich Spaà gemacht hat an der Uni und dann aber auch wiederum nicht.
Es hat mich auch ermüdet.
Also Philosophie habe ich ziemlich schnell wieder abgewählt, obwohl ich gut war.
Aber die Diskussion in den Seminaren, es ging einfach nicht.
Ich konnte nicht in Seminaren diskutieren.
Weder in der Germanistik noch.
Es war nicht mein Ding.
Ich habe ja dann noch Europäische Ethnologie.
Aber als ich dann auch da im Seminar saÃ, die Entwicklung der Krawatte,
es war dann einfach, nee, es ist nicht mein Ding.
Ich kann nicht nur Kopf.
Im Theater war dann, Mensch, ich brauche meinen Geist, ich brauche mein Herz,
ich brauche meinen Körper, will ich das ganzheitliche und muss noch seelisch dabei sein
und ganz im Moment präsent sein.
Also das war für mich das Genialste eigentlich, was man machen kann.
Spielen auf der Bühne, dann auch noch meine Schwächen spielen
und im Zeigen meiner Schwächen dann unglaublich.
Also diese Transformation.
Wow.
Also auf jeden Fall Respekt für den Mut, dass du dann diesen Schritt einfach immer so konsequent gegangen bist,
dass du dahin gegangen bist, wo dein Herz dich hingeführt hat
und es am Ende des Tages dann auch auf die Bühne gebracht hast,
aber auch jetzt in deine eigene Pension, wo du dann dein eigenes Theater mit deiner eigenen Bühne füllst.
Also das muss total schön sein, weil du da wirklich alles vom Spielplan bis über die Ãbersetzung,
bis über die Kostüme, alles komplett selbst entscheiden kannst und wählen kannst.
Wie gesagt, ich habe da das andere Stück, was ich gesehen habe, war noch Seele und Silikon.
Beide Stücke fand ich sehr inspirierend in Bezug auf ganz viele Frauenthemen,
aber auch Frauen auch im fortgeschrittenen Alter und Emanzipation von ganz vielen Sachen,
die auf uns so projiziert werden.
Also das hat auch eine enorme Kraft und ich glaube, gerade das braucht man ja auch im ländlichen Raum.
Also das braucht man nicht unbedingt in Berlin oder so,
aber das hat so viel Weisheit und auch Philosophie dann wiederum in den Stücken
und so viel komödiantisches Potenzial, dass man durch das Lachen einfach so viel Anspannung abbauen kann
und befreit wird beim Zuschauen.
Wie ist es denn jetzt mit dem Publikum?
Also du hast vorhin gesagt, ich habe mich gefragt, ob dann da jemand hinkommen wird.
Wer kommt denn da hin? Hast du da so Stammgäste oder reisen die auch von weiter weg?
Also wie kann man sich das vorstellen?
Sind das dann auch teilweise die Gäste aus der Pension?
Oder also woraus setzt sich so denn das Publikum dann zusammen?
Also das Einzugsgebiet ist ja eher klein hier.
Das heiÃt, die Erwachsenenstücke sind sehr beschaulich.
Also das läuft wirklich nicht so gut, das muss ich zugeben,
weil ich kann ja nicht ständig neue Stücke produzieren.
In der Stadt kann ich natürlich ein Stück das ganze Jahr spielen.
Da kommen immer Leute.
Es ist wirklich viel einfacher in Berlin oder in einer GroÃstadt oder einer Stadt ein Theater zu leiten,
als da mitten im Wald, wo es so begrenzt ist.
Und die Leute fahren ja auch nicht endlose Kilometer, um dann mitten im Wald ein Theaterstück zu sehen.
Also muss man wirklich realistisch sein.
Wenn ich das so aufziehen würde mit Schnitzeln, mit Spätzle und Salat und so ein ganzes Event,
das ist aber nicht mein Ding.
Und im Volkstheater hätte das natürlich einen ganz anderen Zulauf.
Dadurch, dass die Stücke auch eher tiefgründig sind, spricht nochmal ein anderes Publikum an.
Deshalb ist jetzt, seit ich hier bin, mehr so der Kinderbereich mein Feld.
Ich spiele viel in Kindergärten und Schulen, Märchen und Klauen.
Das läuft.
Das ist schön.
Und das Abendtheater.
Wir versuchen jetzt nochmal ein neues Stück zu machen.
Und ich plane auch, dass sich Jugendliche mit Talenten einfach da am Abend gestalten.
Mehr so Projekte.
Aber dass ich da nicht immer auf der Bühne stehe, sondern auch mehr im organisatorischen Bereich.
Und eben die Workshops wieder mehr stärken.
Jetzt im Sommer haben wir einen schönen Workshop für Erwachsene.
Spiele dich frei.
Da gibt es dann meine Cousine aus Griechenland, die vegan kocht für das Event.
Und die Simone hat man mit Märchen erzählen.
Und ich mache den Theaterteil.
Haben wir jetzt schon dreimal durchgeführt.
Und da kommen dann wirklich auch Leute aus ganz Deutschland, die dann auch in der Pension übernachten,
weil es auch überregional beworben wird.
Aber jetzt so kleine Workshops oder Theaterstücke kann ich ja nicht überregional immer bewerben.
Okay, aber ich kann mir gut vorstellen, dass das gerade mit dieser Ãbernachtung im Wald
und wenn man da eine Woche oder ein paar Tage Zeit verbringt und dann wirklich sich einlässt
durch diese schauspielerische Arbeit, die ja dann wirklich ans Angemachte geht,
also mit dem Unterbewusstsein, dann wird ja wirklich viel aus dem Keller zu Tage befördert.
Und das ist ja auch nicht ohne.
Und ich glaube, gerade da macht es total Sinn, sich zu isolieren und an so einen Ort zu gehen,
der mitten im Wald ist und eben nicht abends in Berlin in seine Wohnung zurückzukehren.
Das finde ich eigentlich total stimmig und kann mir vorstellen, dass das auch viele Leute,
die jetzt vielleicht von sonst wo zuhören, auch anspricht, da mal vorbeizuschauen.
Vorhin hattest du erzählt, dass an dem Peak deiner Karriere sozusagen,
wo alles tapeziert war mit Plakaten zu dem Stück, da wurdest du schwanger.
Nimm uns doch da nochmal mit, weil das ist, ich denke, für viele, die jetzt zuhören, auch interessant.
Also ich weiÃ, dass viele meiner Zuhörerinnen auch gerade sich dafür das Thema interessieren.
Wie kann ich die kreative Karriere und den Kinderwunsch irgendwie unter einen Hut bekommen?
Ist es überhaupt möglich, als Mutter dann weiter kreativ zu wirken und so weiter und so fort?
Da findet jede Frau ja eine ganz eigene Lösung dafür und ein ganz eigenes Supportsystem drumherum.
Wo warst du da 1991, in welcher Stadt und was war da gerade so los in deiner Karriere?
Und wie war es dann für dich, Mutter zu werden?
Also ich habe gewohnt in einer Frauen-WG.
Wir hatten ein ganzes Haus, aber wir kannten uns jetzt nicht. Jede hatte ihr eigenes Zimmer.
Das Haus gehörte einer englischen Lady. Männerbesuche waren nicht erlaubt.
Und in diesem Haus wurde ich schwanger und war dann auch angesagt, dass ich ausziehen sollte.
Ich hatte schon angefangen, Theaterkurse zu nehmen.
Also war das schon angetriggert, dass ich Theater spielen möchte.
Und ja, war ja da dann auch schon in den Stücken.
Aber ja, es war dann schwierig.
Von Papa, meiner Tochter, wir waren getrennt, bevor das Kind auf der Welt war.
Also wir hatten uns schon nach einem Monat getrennt.
Da war klar, das passt nicht, das geht nicht.
Es war also klar, ich werde alleinerziehend sein und werde allein sein.
Also eigentlich völlige Katastrophe. Und muss jetzt noch umziehen.
Zurück in den Schoà der Eltern, das war keine Option.
War schwierig. Aber ich war irgendwie zuversichtlich und hatte Gottvertrauen.
Und es wird schon irgendwie werden.
Hab dann eine andere Wohnung gesucht, in die ich aber dann direkt aus dem Krankenhaus mit dem Baby
Ich war bis zum neunten Monat in dem Haus mit den Frauen.
Und dann hatte ich, da gab es damals, ich weià nicht, ob es das heute noch gab, Mutter-Kind-Programm.
Und war dann wirklich drei Jahre mit meinem Kind.
Das war eigentlich die einzigen Jahre, wo ich so sicher versorgt war.
Weil mit dem Vater, da war kein monatliches Auskommen.
Aber auch krass, dass man dich aus einem frauengeführten Haus auf die StraÃe setzt mit einem Baby.
Also das ist schade.
Also sie haben mich nicht auf die StraÃe gesetzt.
Ich habe das freiwillig, ich habe nicht gefragt, kann ich bleiben.
Wahrscheinlich hätte ich bleiben können, aber ich hatte da ja nur ein Zimmer.
Das Bad war ein Stockwerk tiefer und die Küche ganz unten.
Traumhafte Villa in Freiburg, wirklich traumhaft.
Ich habe das geliebt dort.
Und eventuell hätte ich dort bleiben sollen und mir den Umzug sparen.
Das wäre wahrscheinlich das Richtige gewesen.
Und wie ging es dann für dich weiter?
Dann wurde das Kind gröÃer.
Wie hast du das in ein künstlerisches Leben integriert?
Gerade als die Kinder noch ganz klein sind, kann man die ja oft irgendwo hin mitnehmen.
Die schlafen ja ganz viel.
Ich habe die Erfahrung damit gemacht, dass es mit einem Baby leichter ist als mit einem zweijährigen Kind.
Wie war das bei dir?
Das finde ich immer total spannend.
Wie schafft man sich die Umgebung, dass man kreativ arbeiten kann?
Dass man Zeit hat zu proben, aber auch Auftritte zu machen.
Wer hat dich da begleitet?
Wer hat das Kind in der Zeit gehütet?
Wie hast du dir da so ein Support-System aufgebaut, um deiner kreativen Arbeit wieder nachgehen zu können?
Wir waren ja einerseits ein Ensemble, wo es Leute gab.
Und dann ist es ja nicht so, dass ich den Kontakt zu ihrem Papa ganz abgebrochen habe.
Er hat sie vormittags dann zwei-, dreimal die Woche oft gehabt.
Bis sie drei war, war sie ausschlieÃlich bei mir.
Oder bis zweieinhalb.
Und dann war sie natürlich auch morgens im Kindergarten, wo ich dann arbeiten konnte.
Und zu Auftritten, das ging immer.
Ich habe sie auch oft mitgenommen zu Proben und auch auf die Reisen.
Wir waren in Kanada und da war sie mit dabei.
Das finde ich immer total inspirierend.
Sobald dann einfach Tatsachen geschaffen sind, immer irgendwo ein Weg gefunden wird.
Genau.
Wenn ich mir das vorher alles überlegt hätte, wäre nur, das geht alles überhaupt nicht.
Aber wenn man dann drinsteckt, kriegt man dann auch die Kraft für alles.
Und es kommt dann auch Hilfe.
Ihr wart ja auch echt recht viel auf Reisen.
Das muss auch eine sehr prägende Zeit gewesen sein.
Vielleicht auch ganz gut, wenn du jetzt in Bernek bist.
Dann hast du aber trotzdem diese Vergangenheit mit den vielen Reisen.
Du bist rumgekommen, hast viel gesehen.
Und ich glaube, das ist dann auch ein anderes Gefühl, im Wald zu sitzen,
als wenn man jetzt sein ganzes Leben im Wald verbracht hat.
Unbedingt.
Ich habe das schon oft in Gedanken gehabt.
Ich könnte da nicht im Wald jetzt sein, wenn ich noch nicht in der Welt gewesen wäre.
Was war so dein Highlight bei diesen Reisen?
Wo warst du denn überall?
Was ist dir am meisten in Erinnerung geblieben?
Was dich so geprägt hat oder was du wirklich mitgenommen hast?
Also Kanada war schon ein Highlight.
Wir haben dort ein Projekt gemacht mit indigenen Menschen,
The Tear of the Eagle, wo wir die Geschichte gespielt haben von einem.
Wir hatten die ganze Reservatzeit und so weiter.
Haben als Theaterstück gespielt, wie die ihren Wurzeln entraubt wurden.
Und haben das dann in Regina in Saskatchewan uraufgeführt.
Die sind dann auch rübergekommen und dann haben wir eine Tour gemacht,
mit dem Stück, durch Schweiz, Ãsterreich und Deutschland.
Aber einfach dort das Land und waren dann auch noch mal im Tibidorf und die Powwows,
wo wir richtig im Stamm der Cree waren.
Wo wir einfach nicht das touristisch erlebt haben, sondern richtig drin waren.
Und das war schon stark, auch für meine Tochter.
Die war damals noch klein, ein riesiges Erlebnis.
Die hat dann auch von einem Indianer, von einem Häuptling eine Feder bekommen
und hatte die Aufgabe, die Feder nach einem Jahr wieder zurückzubringen.
Und wir sind dann wirklich nach einem Jahr dann wieder hin,
haben die Feder zurückgebracht.
Und dann gab es ein groÃes Fest im Stamm, wo sie die Feder zurückgebracht hat
und Mokavissins dafür bekommen hat.
Und dann wurde auch so gesagt, nicht Laila hat die Feder zurückgebracht,
sondern die Feder hat Laila zurückgebracht.
Und das war alles sehr beeindruckend.
Da passieren dann auch Sachen, die wirklich den Verstand übersteigen.
Ich war dann auch bei einer Zeremonie im Sioux-Stamm,
weil ich hatte damals starke Hüftschmerzen.
Und da hat einer im Stamm der Cree gesagt,
da findet da und da auf dem Berg eine Zeremonie statt bei den Sioux.
Wer will, kann da mit.
Es ist dann niemand vom Ensemble mit.
Ich bin dann hin und es war schon auch sehr beeindruckend.
Das kann man eigentlich nicht erzählen.
Wirklich Schamanismus zu erleben dort.
Also konnte dann auch das Hüftproblem gelöst werden?
Ja, es konnte gelöst werden.
Aber mich hat einfach interessiert, ob das psychosomatisch ist,
ob ich da irgendwas in meinem Leben falsch mache
und dann, da waren ja irgendwie 200 Leute dann in einer Garage,
der Raum steckt voll und da hat sich der Schamane dann,
wurde ganz eingewickelt und mit Schnüren eingewickelt und Stoffen
und der hat sich dann daraus getanzt.
Und man konnte dann sein Problem ihm sagen,
ist mir vorgegangen, hat es gesagt.
Und dann ist mir danach, nach dem Raustanzen und den Ritualen,
die da stattfanden, wieder hin und dann hat er zum Beispiel mir gesagt,
ich habe kein psychosomatisches genetisch bedingt.
Und aber nach einem halben Jahr war das weg.
Und ich hatte es wirklich jahrelang.
Das war stark.
Also ich kann mir total vorstellen, dass solche Erlebnisse
auch für die schauspielerische Arbeit oder für die Arbeit eben mit Menschen
super wichtig sind, dass die ja total prägen und verändern.
Weil du das ja alles mitnimmst in deinen Ausdruck
und wie so ein Werkzeug hast.
Das finde ich total schön und ich glaube es ist super wichtig,
jetzt wenn man so einen kreativen Beruf hat,
da wirklich auch viel zu sehen von der Welt.
Und so schön, dass du die Möglichkeit hattest, da zu reisen.
Und ich finde es auch, also ich nehme mal an,
das hat deiner Tochter bestimmt auch gut getan
oder dass es sie auch bereichert hat,
weil ich stelle mir auch oft die Frage,
was kann ich meiner Tochter zumuten,
wenn ich die jetzt mitnehme auf einen Dreh oder so.
Aber ich habe den Eindruck, dass es eigentlich,
die Kinder sind neugierig, die freuen sich dann auf sowas.
Und ich frage mich dann immer, ja, was wird dann irgendwann aus denen?
Und also wenn ich die Frage stellen darf,
ist deine Tochter dann auch in eine kreative Richtung gegangen später
oder hat sie sich dann für was ganz Bodenständiges beruflich entschieden?
Sie hat dann auch viel gespielt, war in Stücken dabei.
Sie hat schon als kleines Kind in der Weihnachtsgeschichte
dann als Schäfchen mitgespielt und dann auch in den Märchen.
Sie hat dann zunächst auch viel Theater gespielt,
aber hat sich dann ganz davon abgewendet.
Sie hat dann Hip-Hop gemacht, lange.
Und war dann ein Jahr in Australien.
Und dann war sie auch mit Hip-Hop, Hip-Hop4U,
hat sie mit einem Verein gegründet, ist dann da auch nach Manila.
Und das war wirklich ein Einschnitt für sie.
Dort mit StraÃenkindern, also die Ãrmsten der Ãrmsten.
Ja, das war schon heftig.
Aber für sie, die ganze Konsumwelt hängt einem dann zum Hals raus,
wenn man das sieht, wie dort die Kinder und die Menschen
in den Slums in Armut leben.
Sie hat erzählt, die Kinder haben dort auf Müllbergen
mit einem Totenkopf FuÃball gespielt.
Das muss man sich mal vorstellen.
Also es ist wirklich ganz, ganz grausam.
Und mit den Kindern haben die getanzt und über den Tanz
und über den Körper.
Du hast deinen Körper, du hast Freude.
Da bist du Hoffnung hingebracht.
Aber du siehst einfach, du kannst da, das ist alles begrenzt.
Die Bedingungen sind so grausam,
dass man eigentlich nur verzweifeln kann.
Aber trotzdem, man weià nie, was man damit so auslöst.
Also das ist wirklich gerade in jungen Jahren so eine Begegnung
mit jemandem, der dir einfach was anderes zeigt
oder dir irgendwie den Umgang mit deinem Körper,
deiner kreativen Kraft zeigt.
Das kann trotzdem auch so ein goldener Schlüssel sein.
Ganz, ganz wirklich, ja.
Also wirklich Fotos von strahlenden Gesichtern der Kinder.
Das ist sehr berührend.
Deswegen finde ich die Arbeit auch gerade,
die du machst, auch mit jungen Menschen so wertvoll.
Also wie gesagt, man weià nie, was man damit auslöst
oder welches Tor man öffnet oder welche Neugier man führt.
Ja, ist richtig schön.
Doch, also ich erlebe es in den Kinderkursen oft,
dass die Kinder am Anfang noch sehr verhalten sind,
sehr schüchtern, sich nichts trauen.
Und dann sind die auf der Bühne, können ihre Talente entfalten
und aus sich rausgehen.
Und also wirklich ganz, ganz rührend.
Und auch die Eltern sind glücklich,
wenn sie ihre Kinder einfach in Bewegung sehen.
Und hey, die sprechen und sind plötzlich mutig
und stehen da auf der Bühne und trauen sich was,
gehen einfach den Schritt raus aus der Angst,
in ein Selbstvertrauen, auch in eine gewisse Selbstwirksamkeit.
Und auch das Miteinander, das ist faszinierend.
Das kannst du mit Erwachsenen in einem Kurs nicht kreieren.
Die kommen montags, kein Kind spricht,
die sitzen da auf der Bank, das erlebe ich so in den Ferienkursen.
Und dann am Freitag machen wir schon eine Aufführung für die Eltern
vor 30, 40 Leuten und die Kinder sind verkleidet und fröhlich
und einfach super.
Schön.
Was ist so das Eintrittsalter, wie früh kann man starten?
Ich mache die Kurse von 6 bis 12.
Okay.
Ja.
Okay.
Also das habe ich schon herausgehört,
dass das auf jeden Fall das Highlight
oder dass das ein sehr groÃer Lieblingspart deiner Arbeit ist,
diese Kinder.
Also ich kriege da auch sehr viel Rückmeldung von Eltern,
dass sie dann in späteren Jahren, wenn sie mich treffen,
seit dem Kurs kündigt, so gut Präsentationen in der Schule machen.
Schön.
Also das ist wirklich, ja.
Ich glaube, man unterschätzt, wie allem passend das ist.
Also das ist ja wirklich fürs Persönliche,
also für die Kommunikation untereinander,
kann das Theaterspielen total hilfreich sein und wirksam sein,
aber auch fürs Berufliche präsentieren
oder irgendwie sich in Konfliktsituationen zueinander verhalten.
Also das ist wirklich eine groÃe Kraft,
die da freigelassen wird durch solche Ãbungen.
Ja.
Vor allem auch, je mehr Rollen du kannst,
desto weniger Angst hast du.
Jede Rolle, die du integrierst in dein Leben,
die du spielen kannst,
vor der musst du keine Angst mehr haben.
Stimmt.
Wir spielen ja täglich ganz viele Rollen.
Von Mama, jetzt Podcast, Leitung,
was weià ich alles an Rollen.
Und viele Rollen kann man nicht,
vor denen hat man Angst, wenn man sie zum ersten Mal spielen soll.
Wenn man aber viele schon mal gesehen und gespielt hat,
verliert man nach und nach die Angst.
Alles, was du benennen kannst, nimmt dir die Angst.
Was Neuland ist, wo du Angst hast,
macht dann auch atemlos.
Ja.
Ich habe jetzt auch die Tennis zu spielen.
Ich komme auch mal vorbei.
Hattest du auch eigentlich mal so einen Moment,
wo du auf richtig groÃem Glamour scharf warst,
also wirklich nach Hollywood oder so,
oder auch in die Filmbranche, vor die Kamera?
Hat es dich da irgendwie hingezogen,
reich und berühmt zu werden,
oder war das gar nicht so präsent als Vorstellung?
Das hatte ich tatsächlich nie.
Nie.
Nee.
Weil das ist ja oft, was man mit Schauspiel in Verbindung bringt
und woran Schauspiel auch gemessen wird.
Also, dass man davon ausgeht,
wenn jemand in die Richtung geht,
hat er oder sie vermutlich den Wunsch,
dann groà rauszukommen.
Das finde ich dann immer spannend,
dass das muss ja gar nicht sein.
Nee, hatte ich nicht mit einer Phase meines Seins.
Das ist berühmt oder Glamour oder Film.
Nee.
Schön.
Ich glaube, das gibt dann eben deiner Arbeit auch die Kraft,
weil du ganz genau weiÃt, wo dein Platz ist
oder wo du sein möchtest
und wie du arbeiten und wirken möchtest.
Und dann konzentriert sich die Kraft ja auch da drauf.
Also, dann guckst du nicht nach links und rechts
und verzettelst dich in irgendwelchen Jobsangeboten
oder sonstigen,
sondern kannst dich einfach in dem entfalten,
was du am besten kannst.
Das ist echt schön.
Und wenn du dazu zurückblickst,
gibt es irgendwas,
was du deinem früheren Ich so als Ratschlag mitgeben würdest,
was du vielleicht mit deinem heutigen Wissen anders machen würdest?
Oder wenn du jetzt nochmal so der 10-jährigen
oder auch 14-jährigen Andrea begegnen würdest,
welchen Ratschlag würdest du ihr geben?
Oh.
Ja, dadurch, dass ich mir immer alle Freiheiten genommen habe,
ist es schwierig, jetzt einen Ratschlag zu geben.
Soll ich dir jetzt raten,
vielleicht doch eher die Eltern zu fragen,
was man machen soll.
Vielleicht doch eher auf Sicherheit gehen.
Nee, das ist es nicht.
Also, ja, Vertrauen.
Fühlen vor allem.
Fühlen.
Was ist das Richtige für einen?
Ich finde, es wird jetzt auch immer spannender,
das Fühlen, weil das kann die KI nicht.
Du kannst die KI alles fragen.
Sie gibt dir Antworten.
Aber Fühlen wird eine ganz neue Qualität.
Und vielleicht bewirkt das ja die KI,
dass die Menschen das Fühlen wieder,
das Herz mit aus dem Herzen auch zu leben,
als wirkliche Kraft ganz neu für sich entdecken
und daraus ihre Impulse nehmen.
Das wäre wünschenswert, ja.
Einfach, dass das Drei zusammenschwingt,
Geist, Körper und Herz.
Und dass man keine Entscheidung nur aus dem Kopf trifft.
Und natürlich auch nicht nur aus dem Körper.
Wenn es zusammenschwingt,
kann eigentlich nichts schiefgehen,
wenn man seinem Talent und seiner Leidenschaft folgt.
Auch wenn andere sagen, das wird nichts,
oder das ist brotlos.
Sich wirklich von keinen Konventionen
durcheinander bringen lassen.
Und keine fremden Erwartungen bedienen.
Letztendlich kommst du dann in den Stress.
Und Stress macht krank.
Aber das wirklich durchzuhalten,
sein eigenes Ding zu machen
und zu fühlen, was das ist.
Erstmal das zu erkennen, was ist es eigentlich.
Ist ja eigentlich Lebensaufgabe.
Das kannst du ja mit 14, 15 nicht wissen,
weil du da nicht auf dem Stand bist,
dass du wirklich spürst,
was das Richtige für dich ist.
Wir werden ja da in Bahnen gedrängt,
wo wir vielleicht gar nicht rein wollen.
Aber da wirklich bei sich zu bleiben,
ist schon heiÃ.
Das stimmt.
Ich kann nur beipflichten.
Und ich selber nehme für mich auch mit aus dem Gespräch,
dass deine Eltern da auch eine groÃe Rolle gespielt haben.
Indem sie einfach die Kinder so gelassen haben
und diesen Freiraum gelassen haben.
Oder auch die Möglichkeit gelassen haben,
diese innere Stimme zu suchen, zu finden
und zu festigen.
Das ist echt nicht selbstverständlich.
Aber wenn man da so ein Vertrauen reingibt in die Kinder,
dass die ihren Weg schon machen werden,
dann geht halt auch jeder.
Du hast gesagt, die Schwester ist dann
auf einer kanarischen Insel zum Beispiel.
Und dann hört sich das für mich so an,
als hätte auch jeder und jede seinen Weg gefunden.
Und damit legst du den Kindern ja wirklich was in die Wiege.
Egal in welcher Lebenssituation man sich dann
letztendlich wiederfindet.
Du hast dann einfach dieses Vertrauen in dir
und die Kraft.
Das innere Bauchgefühl ist ja auch wie so ein Muskel,
den man trainieren kann.
Wenn man nie drauf hört, woher soll man denn noch wissen,
wie der klingt oder wie der sich anfühlt.
Aber wenn man diese Erfahrung gemacht hat,
dass man auf sein Bauchgefühl gehört hat
und es hat sich irgendwie ausgezahlt,
es ist gut geworden und das immer wieder macht.
Das ist ja wirklich wie so ein Muskel,
auf den man sich verlassen kann, der stabil ist.
Und das nehme ich für mich mit aus dem Gespräch,
dass man das als Elternteil sich hinter die Ohren schreiben kann.
Wie groà dieser Einfluss ist,
ob der Mensch dann später seinen Weg geht und glücklich wird.
Das hängt schon zu einem groÃen Anteil, finde ich,
damit auch zusammen,
was man dem so an Vertrauen mitgibt in jungen Jahren.
Nicht nur die Eltern,
sondern auch andere Bezugspersonen oder Lehrkräfte,
die man auf dem Weg hat.
Aber das ist so wichtig und ich finde es so schön,
so eine Geschichte zu hören,
dass man hier mitten im Schwarzwald,
in so einer Zeit, wo es eigentlich Gang und Gäbe war,
was Vernünftiges zu machen.
Oder gerade für ein Mädchen erst mal gar nicht zu studieren,
sondern einfach zu heiraten.
Und gut ist, dass du da einfach so deinen Weg gegangen bist
und gereist bist.
Das hast du jetzt wirklich schön aufgesagt.
Und auch mit dem Muskel, den man trainiert,
das ist wirklich ein schönes Bild.
Ich muss sagen,
meine andere Schwester, die hat die Schule abgebrochen,
ist nach England, mit 15.
Und meine Eltern haben es geduldet.
Es war wirklich gut, Eltern zu haben,
die einem diese Freiheit geben,
obwohl sie selber eigentlich darunter gelitten haben,
an der Freiheit, die wir uns genommen haben.
Aber jetzt hast du da die Pension in Wernig Bruderhaus.
Das heiÃt, wir verlinken auch alles in den Shownotes,
dann kann dann jeder, der zuhört, sich da reinlesen.
Ich finde das wirklich ein schöner Ort.
Es ist wirklich mitten im Wald.
Es ist auch schön, da hinten mit dem Fahrrad oder auch zu FuÃ
oder so mit dem Auto da anzukommen.
Es ist einfach eine ganz besondere Atmosphäre, finde ich,
wenn man dann da sitzt und so nah an der Bühne.
Das hat einen ganz anderen Geschmack
und eine andere Tonalität, die dich so mitnimmt.
Weil ich habe ganz oft das Ding,
dass in so GroÃstadttheatern, das ist mir zu abstrakt.
Und ich fühle mich dann wirklich dumm,
wenn ich in der Vorstellung sitze und es kommt nichts an.
Ich kann den Bogen irgendwie nicht hin.
Das ist mir dann hohe Kunst.
Dann fühlt sich alles komplett abgehoben an.
Und hier im Bruderhaus, im Enri-Theater,
war es für mich dann eine ganz andere Erfahrung,
die man so mit Standardtheater vielleicht gar nicht so verbindet.
Also vielen, vielen Dank.
Ich danke dir, dass ich hier sein durfte.
Es war echt schön, mit dir zu sprechen.
Wir sehen uns dann demnächst im Bruderhaus.
Das wäre schön.
So, liebe Leute, das war Andrea Enri-Weber.
Alle Infos zu ihr findet ihr natürlich wie immer in den Show Notes.
Wenn euch die Folge genauso inspiriert hat wie mich,
dann schickt sie doch einer Person, die damit was anfangen kann.
Und folgt uns auch gerne auf Instagram,
denn da gibt es einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des Podcasts,
Umfragen, in denen ihr teilnehmen könnt und auch Gewinnspiele.
Alle Infos gibt es natürlich auf traumundtagelund.de.
Ich bin euer Host Elena und nicht vergessen,
immer fleiÃig weitertrollen.